Däubler-Gmelin hat keine Einwände gegen Import embryonaler Stammzellen

Gentechnik

Die umstrittene Einfuhr embryonaler Stammzellen zu Forschungszwecken nach Deutschland wird immer wahrscheinlicher. Wie die Universität Kiel am Donnerstag bestätigte, laufen derzeit Verhandlungen mit der australischen Biotechnologie-Firma ES Cell International, entsprechendes Material aus Australien einzuführen. Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) hat offenbar keine rechtlichen Einwände gegen den Import. Vor einem Gespräch mit Verfassungsrechtlern zur Embryonenforschung und Präimplantationsdiagnostik (PID) sagte sie: "Das Embryonenschutzgesetz verbietet den Import von embryonalen Stammzellen nicht."

Der Kieler Biochemiker Stefan Rose-John will laut Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) mit Hilfe embryonaler Stammzellen Ersatzgewebe für Schwerkranke gewinnen. Die Erfolgsaussichten einer solchen Forschung sind völlig offen.

CSU-Generalsekretär Thomas Goppel verurteilte die Pläne scharf. Die geplanten Forschungen der Kieler Wissenschaftler seien "unseriös und leichtfertig", weil die ethischen und wissenschaftlichen Folgen eines unkontrollierten Rumfummelns" an Stammzellen nicht überschaubar seien. Die gesellschaftliche Debatte über die Bioethik habe erst angefangen. Wer Gesetzeslücken ausnutze und so Fakten schaffe, verletze die Spielregeln der Gesellschaft. Offenbar sei bei einigen Wissenschaftlern eine "ungezügelte Goldgräberstimmung" ausgebrochen, kritisierte Goppel.

CSU-Gesundheitsexperte Horst Seehofer sprach sich für eine begrenzte Zulassung der PID aus, bei der künstlich erzeugte Embryos vor dem Einsetzen in die Gebärmutter auf genetische Fehler untersucht werden. Dies wird von weiten Teilen der Union strikt abgelehnt. Seehofer befürwortet auch die Stammzellenforschung, wendet sich jedoch gegen die Herstellung von Embryonen zu Forschungszwecken.