Wilder Westen auf der Ostsee

Schifffahrt

Die Umweltorganisation Greenpeace schätzt die Sicherheitslage auf der Ostseewasserstraße Kadetrinne als katastrophal ein. "Zum Teil geht es zu wie im wilden Westen", sagte Greenpeace-Sprecher Christian Bussau am Dienstag in Hamburg. Falschfahrer, Geisterfahrer und Regelverstöße gegen die Verkehrsordnung auf der 15 Seemeilen langen Wasserstraße seien an der Tagesordnung. Damit sei eine Schiffskatastrophe, etwa ein Zusammenstoß einer Fähre und eines Frachters, jeden Tag möglich. In einer vierwöchigen Beobachtung eines Teilgebietes der stark befahrenen Schifffahrtsroute haben die Umweltschützer nach eigenen Angaben mehr als 190 Verstöße gegen die Verkehrsvorschriften gezählt.

Greenpeace wies den von Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) am vergangenen Freitag vorgeschlagenen Maßnahmenkatalog als unzureichend zurück. Bussau fordert unter anderem die Stationierung einer schwimmenden Verkehrsleitzentrale auf See, von der Überseelotsen Schiffe ansprechen und beraten können.

Die Kadetrinne zwischen dem deutschen Darß und der dänischen Insel Falster passieren nach Angaben von Greenpeace jährlich rund 63.200 Schiffe, darunter 8.200 Tanker. In den vergangenen zehn Jahren habe es rund 20 größere Schiffsunglücke gegeben. Ende März war der Tanker "Baltic Carrier" mit einem anderen Schiff kollidiert. Dabei waren rund 2.700 Tonnen Schweröl in die Ostsee geflossen, von dem ein Teil die dänische Küste verunreinigt hatte.