Homosexuelle feiern zuerst in Hamburg

Christopher-Street-Day

"Fast schon zum Hamburger Karneval" sei der Christopher-Street-Day geworden, freut sich Hamburgs Oberbürgermeister Ortwin Runde. Der CSD gehöre inzwischen zu den "großen und nicht mehr wegzudenkenden Events der Stadt". Mit ihm beginnt von Freitag an eine ganze Reihe von Festen, Umzügen und Paraden der Schwulen und Lesben in Deutschland. Anders als Jecken und Pappnasen verbinden Schwule und Lesben ihre Paraden und Parties mit politischen Forderungen. So wollen sie Verbesserungen im Adoptionsrecht, einen effektiven Schutz gegen Diskriminierung und ein entschiedenes Einschreiten bei Gewalt gegen Homosexuelle. Außerdem solle das Asylrecht auch bei Verfolgung wegen sexueller Orientierung greifen. Zudem sähe man auf dem Hamburger Rathaus gern eine Regenbogenfahne.

"Anders ist richtig rum" stellen die CSD-Veranstalter im Hamburg keck fest. Die "schönsten Orte der Stadt" habe man sich für den Event diesmal ausgesucht: Das dreitägige Straßenfest wird an den Landungsbrücken gefeiert, die Parade am Samstag führt durch St. Georg und die Innenstadt, und zur "Pride Party" wird auf die Überseebrücke und das Museumsschiff "Cap San Diego" geladen. "Männer und Frauen jeglichen Alters ziehen durch die Hamburger Innenstadt. Normal gekleidete, halbnackte, schrill angezogene und alles, was man sich so vorstellen kann", versprechen die Organisatoren. Im vergangenen Jahr waren es 15.000 Teilnehmer.

Nach dem Auftakt in Hamburg wird nahezu täglich irgendwo in Deutschland der CSD gefeiert: Bis zum 25. August werden landauf, landab die Regenbogenfahnen gehisst, ziehen Schwule und Lesben durch die Straßen. Berlin ist am 16. Juni Station, Köln am 6. Juli, München am 12. und Frankfurt am Main am 20. In Mainz lockt gar die "Sommerschwüle 2001" (28.7.). Die Hannoveraner riefen schon am 1. Juni den "Tummelplatz der Lüste" aus.

"Als einziges Bundesland" veranstaltet Brandenburg extra eine Städtetour, kündigte Landessozialminister Alwin Ziel (SPD) an. Ein Info-Mobil werde "in Begleitung von etwa 20 Lesben und Schwulen über die Dörfer von Potsdam über Oranienburg, Neuruppin, Wittenberge und Wittstock fahren und eine Woche lang Homosexualität zum öffentlichen Thema machen".

Der Christopher Street Day entstand in New York. In Manhattan begehrten im Juni 1969 Homosexuelle erstmals gegen die regelmäßigen Polizeirazzien in den Schwulenkneipen auf. Als es am 22. Juni 1969 wieder zu einer Polizeiaktion in der Szenekneipe "Stonewall Inn" in der Christopher Street kam, setzten sich die Schwulen zum ersten Mal zur Wehr. Es gab tagelange Unruhen, die immer mehr Homosexuelle in die Christopher Street zogen, so dass die Polizei schließlich weichen musste.