München will Beteiligung an Atomkraftwerk verkaufen

Atomenergie

Mit Hilfe einer Anzeige der Münchener Stadtwerke in der "Financial Times" sucht die Stadt München einen Käufer für ihre 25-Prozent-Beteiligung am Atomkraftwerk Isar-2. Der Grüne Stadtrat Siegfried Benker zweifelt allerdings an der Ernsthaftigkeit der Verkaufsbemühungen der Stadtwerke und schlägt eine Ausschreibung in einer Fachzeitschrift vor. Eine Sprecherin von Deutschlands führendem Atomkraftwerksbetreiber E.ON AG, Mehrheitseigner von Isar-2, möchte sich zu einer möglichen Übernahme des Münchener Anteils nicht äußern. Experten halten dies allerdings für unwahrscheinlich.

Die Stadt München hatte 1977 - Deutschland befand sich noch in der Atomkraft-Euphorie - beschlossen, sich am Bau des Atomkraftwerks Isar-2 bei Landshut zu beteiligen. Das von Siemens/KWU errichtete Atomkraftwerk gehört seit damals zu 25 Prozent der Landeshauptstadt. Die restlichen Anteile hält derzeit der E.ON-Konzern. Als Miteigner hat die Landeshauptstadt Anspruch auf Nutzung von bis zu 40 Prozent der in Essenbach erzeugten Energie.

Als sich 1997 eine rot-grüne Rathaus-Mehrheit formierte, wurde in den Koalitionsvereinbarungen festgeschrieben, die Stadt solle sich baldmöglichst "zu wirtschaftlichen Bedingungen" von ihrem wenig imagegerechten AKW-Anteil trennen. Die Stadtwerke wollen bei dem Verkauf rund eine Milliarde DM einnehmen. Nach der Vereinbarung der Bundesregierung mit der Atomwirtschaft ("Atomkonsens") darf Isar-2 noch rund 20 Jahre lang betrieben werden.

Die Kritik der Grünen, das die Stadtwerke den Verkauf nicht mit Nachdruck betrieben, weisen die Stadtwerke zurück: "Die Trennung von Isar II würde sehr gut passen." Die Münchner Stadtwerke versuchten ja gerade, sich im Sektor Ökostrom zu profilieren.