Japan gibt Bestechung für Walfang zu

Internationale Walfang-Komission

Im Vorfeld der am Montag beginnenden Tagung der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) werden immer neue Bestechungsaktivitäten Japans enthüllt. Nach Informationen der Artenschutzorganisation "Pro Wildlife" werden derzeit sogar Länder in Afrika, aber auch die Mongolei mit großzügigen Zuwendungen "bearbeitet", damit sie bei internationalen Artenschutzabkommen im Sinne Japans stimmen. Vor zwei Tagen erst habe der japanische IWC-Delegationsleiter zugegeben, dass Inselstaaten in der Karibik für ihr entsprechendes "Wohlverhalten" Entwicklungshilfe bekamen.

Die Artenschutzexpertin Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife warnt davor, dass Japan bald genügend Stimmen gekauft haben könnte, um eine Mehrheit für eine Aufweichung des Artenschutzes zu bekommen. Japan möchte die Handelsverbote für Walfleisch, Elfenbein und Schildpatt, den wertvollen Panzer von Meeresschildkröten, kippen. Außerdem soll die Unterschutzstellung weiterer bedrohter Arten, wie z.B. Haie, verhindert werden.

Pro Wildlife legte jetzt neue Beweise für entsprechende Vorgänge in der Mongolei und in Afrika vor.

In einem Schreiben der Japanese Bekko Association (JBA), der Interessenvertretung der japanischen Schildpattindustrie, werden finanzielle Zuschüsse an ein mongolisches Regierungsmitglied erwähnt und im Gegenzug eine entsprechende Positionierung während der Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens eingefordert. In dem Email an die Delegationsleiterin Shirjirmaa heißt es: "Bitte erzählen Sie niemandem, dass die mongolische Delegation von der JBA unterstützt wird." In dem Schreiben wird bestätigt, dass ein namentlich genannter Mitarbeiter des japanischen Entwicklungshilfeministeriums die Zahlungen der Japanese Bekko Association an die Mongolei angeordnet hatte.

Neben der Karibik und der Mongolei konzentriere sich Japan derzeit auf afrikanische Länder. Mit Guinea und Marokko wurden kürzlich bilaterale Wirtschaftsabkommen geschlossen. Beide Länder wurden parallel auch Mitgliedsstaaten der Internationalen Walfang-Kommission. Namibia und Simbabwe sind nach dem Wunsch Japans augenscheinlich die nächsten Beitrittskandidaten.

In Kamerun konnte sich die Pro Wildlife-Sprecherin im vergangenen Jahr selbst überzeugen, dass Japan große Geldsummen investiert: Unter anderem fahren höhere Militärs und Polizisten des westafrikanischen Entwicklungslandes größtenteils japanische Luxusschlitten.

Am Mittwoch gab der japanische IWC-Delegationsleiter Masayuki Komatsu erstmals einen Stimmenkauf durch seine Regierung zu - im Zusammenhang mit sechs karibischen Inselstaaten. Altherr schätzt die Höhe japanischer Entwicklungshilfegelder, die seit Anfang der 90er Jahre an Antigua & Barbuda, Dominika, Grenada, St. Lucia, St. Kitts & Nevis sowie St. Vincent & Grenadines floss, auf inzwischen über 1 Milliarde US-Dollar.

"Seitdem hat sich die Position der sechs kleinen Staaten innerhalb der IWC, aber auch anderer Artenschutzkonventionen dramatisch verändert: Ihre ehemalige Schutzposition ist in eine unkritische Unterstützung aller japanischen Anträge zur Lockerung von Artenschutzbestimmungen umgeschlagen", berichtet Altherr.

Die Internationale Walfang-Kommission ist mit ihren nur 43 Mitgliedsstaaten besonders anfällig für den Stimmenkauf Japans. "Die Wale sind nur der Auftakt", meint Altherr. Die nächste Woche werde zeigen, wie die IWC-Tagung auf die unglaublichen Enthüllungen reagieren wird.