Hochangereichertes Uran bei Siemens in Erlangen entwendet

Atom-Schmuggel

Die Firma Siemens hat im Erlanger Atomschmuggel-Fall eigene Ermittlungen angekündigt. Siemens sei "sehr daran interessiert, den Fall aufzuklären", sagte ein Unternehmenssprecher am Montag in Erlangen. Das Unternehmen sei von der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth bislang nicht über die Ermittlungen informiert worden. Siemens habe von einer "Spiegel"-Redakteurin von der Anzeige gegen eine ehemaligen Siemens-Labormechaniker erfahren. Der Mann soll von 1971 bis 1981 Uran aus einem Erlanger Siemens-Forschungslabor entwendet haben. Unter den radioaktiven Stoffen seien auch 0,8 Gramm hochangereichertes Uran gewesen, wie es in größeren Mengen zum Bau von Atomwaffen verwendet werden kann. Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW ruft wegen des Atomgeschäfts von Siemens zum Boykott des Konzerns auf.

Das ehemalige Erlanger Atomforschungslabor der Siemens-Tochter Kraftwerksunion werde seit der Gründung eines Joint Ventures zwischen Siemens und der französischen Framatome ANP nicht mehr von Siemens genutzt, fügte der Sprecher hinzu.

Die Staatsanwaltschaft hatte vergangene Woche gegen den inzwischen 74-jährigen Paul O. ein Verfahren wegen unerlaubten Umgangs mit radioaktiven Stoffen eingeleitet. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" entwendete der Labormechaniker aus dem Forschungszentrum von Siemens in selbst gebauten Plexiglaskolben sechs Mal Uran und andere radioaktive Stoffe.