Soziologe warnt vor rechtsextremistischen Intellektuellen

Nährboden Burschenschaften

In die rechtsextremistische Szene drängen nach Ansicht von Soziologen zunehmend Intellektuelle. Zur "neu-rechten" Szene gehörten keine pöbelnden Provokanten, sondern "volkstümmelnde" Germanisten, Historiker und Künstler, sagte der Soziologe und Rechtsextremismusforscher, Lutz Neitzert, in Koblenz. Seiner Einschätzung nach geht von diesen intellektuellen Zirkeln jedoch nicht weniger Gefahr aus als von gewalttätigen Neonazis. Am Wochenende hatte der Präsident des Verfassungsschutzes, Heinz Fromm, vor einem Anstieg des Rechtsextremismus' gewarnt.

Für viele junge Intellektuelle sei die rechte Szene ein "interessantes Terrain, um zu provozieren", sagte Neitzert. Die "Macher" betrachteten sich dabei selbst nicht als Neonazis, träten aber "als entschlossene Verfechter anti-demokratischer Ideen" auf. "Die Fassade des Faschismus reizt auch Akademiker", sagte Neitzert.

Neitzert zufolge konnte sich die intellektuelle rechte Szene in den vergangenen Jahren ausbreiten, "nicht zuletzt weil Verfassungsschutz und Öffentlichkeit nur auf die NPD und die Skins schauen". Der Soziologe befürchtet, dass rechtsgerichtete Germanisten und Historiker in Universitäten und Redaktionen tätig werden. Der Weg führe dabei unter anderem über studentische Burschenschaften, die "keine Berührungsängste" hätten und rechten Intellektuellen ein Forum böten.