Stiftung Warentest: 1.400 Medikamente nutzlos

Arzneimittel

Die Stiftung Warentest bewertet 1.400 von 7.000 untersuchten Arzneimitteln als "wenig geeignet" für die Krankheitsbekämpfung. Für die Neuauflage des am Mittwoch in Berlin vorgestellten "Handbuchs Medikamente" hatte die Prüforganisation die im vergangenen Jahr am meisten in Deutschland verschriebenen Präparate untersucht. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) wies die Darstellung zurück. BPI-Geschäftsführer Hans Sendler warnte in einer Erklärung vor einer Verunsicherung der Verbraucher und stärkeren Vorbehalten gegen Arzneimittel. "Das kann die Therapietreue beeinträchtigen, so dass unter Umständen ein dringend benötigtes Arzneimittel nicht mehr eingenommen wird", betonte Sendler in Berlin.

Stiftung-Warentest-Gutachter Gerd Glaeske sagte, von den rund 45.000 Mitteln auf dem deutschen Markt seien bisher nur etwa 25.000 geprüft und zugelassen worden. Dass ein Medikament zugelassen ist, sage aber noch nichts über seine Wirksamkeit aus. Mit dem Handbuch sollen deshalb Patienten in die Lage versetzt werden, Medikamente "verantwortungsbewusst und richtig anzuwenden".

Sendler verwies dagegen darauf, dass Arzneimittel nur aufgrund umfassender Daten zugelassen würden. Wer dieser Bewertung widerspreche, müsse "fundierte Beweise" haben. Der Stiftung habe aber im wesentlichen bereits veröffentlichte Literatur zur Verfügung gestanden. Zu den Arzneimitteln, die von Stiftung Warentest als "wenig geeignet" bewertet wurden, zählen bekannte Kombinationspräparate wie Thomapyrin und Neuralgin zur Schmerzbehandlung, Chol-Kugeletten und Aristochol Konzentrat als Abführmittel sowie Cafergot N, Migraeflux N, Migräne-Kranit N und Optalidon spezial NOC zur Migränebehandlung.

Das "Handbuch Medikamente" kann zum Preis von 78 Mark bestellt werden bei Stiftung Warentest, Vertrieb, Postfach 81 06 60 in 70523 Stuttgart, Tel. 01805-00 24 67 oder im Internet unter www.stiftung-warentest.de