"Armutsbekämpfung wichtiger als freier Handel"

Entwicklungspolitik

Der Abbau internationaler Handelsbeschränkungen sollte weniger vom Wunsch nach mehr Handel, sondern von dem Ziel bestimmt sein, Entwicklung zu fördern und Armut zu bekämpfen. Dies sagte am vergangenen Freitag Dean Hirsch, der internationale Präsident des überkonfessionellen christlichen Hilfswerks "World Vision", zur Eröffnung eines Symposiums der Welthandelsorganisation (WTO) mit Nichtregierungsorganisationen (NROs) in Genf. Der internationale Handel müsse dem Ziel der menschlichen Entwicklung untergeordnet werden. Ein freier Handel ohne Rücksicht darauf, wer davon profitiere und wer darunter leide, sei in Frage zu stellen.

"Handel ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck", meinte Hirsch. Er wies im Hinblick auf weitere Handelsrunden darauf hin, dass die Armen nur unzureichend vorbereitet seien, um mit den Industrienationen an einem Tisch zu verhandeln. Die armen Länder hätten immer weniger Geld zur Verfügung, da die Industrienationen ihre Entwicklungshilfe stetig abbauten. 1996 hätte die Entwicklungshilfe noch bei 0,34 Prozent des Bruttosozialproduktes der Industrieländer gelegen. Im Jahr 2000 waren es nur 0,22 Prozent.

Auch würden den Entwicklungsländern enorme Kosten aufgebürdet, um internationale Handelsbedingungen zu erfüllen. Viele Industrieländer forderten zwar den unbeschränkten Handel, knüpften aber strenge Bedingungen an Einfuhren oder verschlössen sich weiterhin den Verbrauchsgütern aus Entwicklungsländern.