Insel Reichenau offiziell als Weltkulturerbe ausgezeichnet

UNESCO

Die Klosterinsel Reichenau im Bodensee gehört seit Mittwoch offiziell zum Weltkulturerbe der Unesco. Der Präsident der Deutschen Unesco-Kommission, Klaus Hüfner, überreichte bei einem Festakt im Klosterhof die Urkunde zur Aufnahme in die Welterbeliste. Damit gibt es mittlerweile 24 Welterbestätten in Deutschland. In Baden-Württemberg gehört neben der Reichenau seit 1993 auch das Zisterzienserkloster Maulbronn zum Weltkulturerbe.

Die Entscheidung zu Gunsten der Klosterinsel hatte das Unesco-Welterbekomitee bereits auf seiner 24. Sitzung im November 2000 in Australien gefällt. Mit der Auszeichnung wird die Reichenau als "herausragendes Zeugnis von der religiösen und kulturellen Rolle eines großen Benediktinerklosters im Mittelalter" gewürdigt. Die Kirchen der Insel aus dem neunten bis elften Jahrhundert veranschaulichten die frühmittelalterliche Architektur in Mitteleuropa, heißt es unter anderem zur Begründung.

Der baden-württembergische Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) bezeichnete die Auszeichnung als ein "seltene Ehre" und zugleich als "große Verpflichtung". Die Landesregierung sei sich der Verantwortung bewusst, die Kulturdenkmäler der Insel für die gesamte Menschheit zu bewahren. Der Ministerpräsident dankte zudem der Unesco für ihr Engagement. Die Organisation leiste mit dem Welterbe nicht nur Wesentliches für den Erhalt der Stätten. Sie schaffe auch Ansätze eines "weltweiten Bewusstseins".

Das Kloster Reichenau wurde im Jahre 724 von dem Wanderbischof Pirmin gegründet und entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten zu einem geistig-kulturellen Zentrum des Heiligen Römischen Reiches. Zur Insel gehören heute unter anderem drei gut erhaltene Kirchen, deren Ursprünge bis in das neunte Jahrhundert zurück gehen. Berühmt sind insbesondere die Wandfresken in der Kirche St. Georg. Ihre kunsthistorische Bedeutung verdankt die Insel auch der ottonischen Buchmalerei der Reichenauer Klosterschule. Die reich verzierten Handschriften sind heute auf Museen und Bibliotheken in der ganzen Welt verteilt.

Zum Unesco-Welterbe gehören inzwischen rund 690 Kultur- und Naturstätten in 122 Staaten. Zu den berühmtesten zählen unter anderen die ägyptischen Pyramiden, die Große Mauer in China und die Inkastadt Macchu Picchu. Unter den 24 Welterbestätten in Deutschland sind zum Beispiel Köln mit dem Dom, Berlins Museumsinsel und die Stadt Weimar.