Ministerium bestätigt Bedienungsfehler im Atomkraftwerk Biblis

Menschliches Versagen

Der Unfall mit einem Brennelement im südhessischen Atomkraftwerk Biblis ist durch einen Bedienungsfehler verursacht worden. Wie das hessische Umweltministerium am Dienstag in Wiesbaden mitteilte, bestätigten dies Untersuchungen. Demnach habe ein Handhabungsfehler beim Verladen dazu geführt, dass der Behälter beim Schwenken mit dem Fuß hängen blieb und der Kopf durch das Verkanten des Elements abriss.

Wie das Ministerium weiter mitteilte, wurde das Element am Dienstag geborgen und in den Transportbehälter verladen. Messungen hätten ergeben, dass der Behälter dicht und nicht radioaktiv verseucht sei. Das Brennelement könne nun aus dem Reaktorgebäude geschleust und nach Langzeitmessungen für den Abtransport in die französische Wiederaufbereitungsanlage La Hague vorbereitet werden.

Beim Verladen des Elements im Block B des Kernkraftwerks war am 6. August dessen Kopf abgerissen, woraufhin das Element einen halben Meter in die Tiefe sackte. Die Bergung hatte am 15. August begonnen, nachdem der Kraftwerksbetreiber RWE Power und der TÜV Süddeutschland ein Bergungskonzept erarbeitet hatten.

Beim Beladen des Transportbehälters wurden nach Angaben des Ministeriums eine Unterwasserkamera und ein akustisches Signal als Überwachungshilfen eingesetzt. Diese neuen Maßnahmen hatte der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) vergangene Woche im Umweltausschuss des Landtags angekündigt.

Schon mehrfach kam es in den deutschen, von Siemens/KWU errichteten Atomkraftwerken in den vergangenen Jahren zu erstaunlichen Unfällen beim Brennelementwechsel. Im August 1988 wurden im Atomkraftwerk Brokdorf 18 Brennelemente beschädigt. Im Juli 1989 brach im bayerischen Atomkraftwerk Isar-1 der Teleskoparm einer Lademaschine ab. Ursache war der Zusammenstoß mit einer Plattform. Dabei fielen 54 Kugeln aus einem Kugellager in den offenen Reaktordruckbehälter. Ebenfalls 1989 stürzte im Atomkraftwerk Krümmel ein gebrauchtes Brennelement aus fünf Metern Höhe in das Lagerbecken. In Gundremmingen-C kam es 1990 zu einem ähnlichen Unfall, nachdem ein Kran irrtümlich ein Brennelement ergriff.

Im inzwischen stillegelegten Atomkraftwerk Würgassen war es 1991 eine Vorrichtung zum Beschneiden von Brennelementen, die ins Lagerbecken fiel. Im Januar 1997 schlug im Atomkraftwerk Philippsburg ein Kran nach dem Versagen der Bremsen auf einem Lagergestell des Lagerbeckens auf - glücklicherweise lagerten dort gerade keine Brennelemente.