Angeblich 36 Lauschangriffe im Jahr 2000

Telefonüberwachung um 170 Prozent gestiegen

Nach offiziellen Angaben haben deutsche Ermittlungsbehörden im Jahr 2000 bundesweit 36 Wohnungen abgehört. Das seien fünf Wohnungen mehr als im Vorjahr, wie das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf einen Bericht der Bundesministerien für Inneres und Justiz meldete. In 18 Fällen soll der so genannte Lauschangriff Hinweise auf ein Verbrechen geliefert haben.

Erstmals sollen die Gerichte im vergangenen Jahr auch zwei Lauschaktionen zur Korruptionsbekämpfung angeordnet haben, wie "Focus" weiter berichtete. In Hessen und Niedersachsen sollen damit Beweise gegen bestechliche Amtsträger gesammelt worden sein. In fast allen anderen Fälle seien Wohnungen wegen Tötungs- und Drogendelikten abgehört worden.

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Joachim Jacob, forderte unterdessen, dass Polizei und Staatsanwaltschaften dem Parlament Rechenschaft über Telefonüberwachungen ablegen sollten. Die Zahl der telefonischen Überwachungen sei zwischen 1995 und 1999 um 170 Prozent gestiegen und stimme ihn "sehr nachdenklich", sagte Jacob im Deutschlandradio Berlin.

Nach Angaben des Bundesbeauftragten gab es 1999 12.651 Anordnungen zur Telefonüberwachung nach §§ 100a, 100b der Strafprozessordnung. 1998 waren es noch 9.802 und 1997 7.776 Anordnungen.