BGB trotz Milliardenverlusten attraktiv

Berliner Bankgesellschaft

Trotz der Milliardenverluste der Bankgesellschaft Berlin (BGB) hält Vorstandsvorsitzender Wolfgang Rupf den Konzern weiter für wettbewerbsfähig. Das Minus von 1,65 Milliarden Euro (3,23 Milliarden Mark) für das Geschäftsjahr 2000 sei auf Informations-, Steuerungs- und Kontrolldefizite zurückzuführen, sagte Rupf am Mittwoch in Berlin auf der Hauptversammlung. Die Situation der mehrheitlich landeseigenen Bank bezeichnete er als dramatisch und existenzgefährdend. Die Aktionäre müssen eine Kapitalerhöhung von bis zu 2,2 Milliarden Euro beschließen, um die Geschäftsfähigkeit der Bank zu erhalten.

71 Prozent der notwendigen Risikovorsorge in Höhe von 2,74 Milliarden Euro entfallen nach Rupfs Darstellung auf das gewerbliche Immobilien-finanzierungsgeschäft. In diesem Bereich sei die Bank von der schlechten Marktentwicklung überrascht worden. Der Vorstandschef macht zudem die komplizierte Struktur des Konzerns mit seinen Teilbanken dafür verantwortlich, dass Risiken nicht rechtzeitig erkannt worden seien. Harte Kritik übte Rupf an den Wirtschaftsprüfern. Wegen auffälliger Bewertungsunterschiede hätten Aufsichtsrat und Vorstand beschlossen, Pflichtverletzungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften im Konzern nachzugehen.

Der Konzernchef kündigte zudem weitere zivilrechtliche Schritte gegen Bankmanager nach Beendigung aller Sonderprüfungen an. "Jegliches festgestellte strafrechtlich relevante Verhalten wird ohne Ansehen der Person unverzüglich zu den erforderlichen Konsequenzen führen", sagte Rupf. Nach Auskunft der Berliner Staatsanwaltschaft wird derzeit auch gegen ihn wegen Verdachts der Untreue ermittelt. Der Konzernchef selbst sieht allerdings "keinen Anhaltspunkt für persönliches Fehlverhalten". Dennoch zog der Vorstand seine ursprünglich laut Tagesordnung anstehende Entlastung zurück. Der Beschluss werde verschoben, weil wesentliche Berichte und Ermittlungsergebnisse erst in den nächsten Monaten vorlägen, sagte Rupf.

Das Land Berlin als Hauptanteilseigner hat eine Finanzspritze für die Bank bereits zugesagt. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte am Dienstag angekündigt, dass der Senat "in der Höhe unseres Anteils von 56,6 Prozent unmittelbar nach der Hauptversammlung zeichnen und bis kommenden Freitag die baren Mittel einzahlen" werde. Damit stünden zunächst 1,132 Milliarden Euro bereit.

Offen ist, wie sich die beiden anderen großen Gesellschafter, die Norddeutsche Landesbank (NordLB) und die Versicherungsgruppe Parion, verhalten werden. Der Berliner Senat erwartet, dass sie sich an der Kapitalzufuhr beteiligen. Die NordLB hat 20 Prozent und Parion 7,5 Prozent der BGB-Anteile.

Die Tagesordnungspunkte 2 und 3 der Hauptversammlung der Bankgesellschaft Berlin (BGB) am Mittwoch betreffen die Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrates für das Geschäftsjahr 2000. Im Tagesordnungspunkt 2 schlägt der Aufsichtsrat den Aktionären vor, die Entlastung des Vorstandes zunächst zurückzustellen und darüber in einer weiteren Hauptversammlung abzustimmen. Grund dafür seien die noch nicht abgeschlossenen Sonderprüfungen. Im Tagesordnungspunkt 3 wird die Entlastung des Aufsichtsrats vorgeschlagen. Stimmen die Aktionäre für eine Entlastung, billigen sie die Arbeit des Aufsichtsrats. Eine Entlastung enthält jedoch keinen Verzicht auf Schadensersatz. Es gilt die einfache Mehrheit.