Sinti und Roma fordern Anerkennung ihrer Minderheitensprache

Hessen vorn

Die schätzungsweise 70.000 in Deutschland lebenden Sinti und Roma fordern die bundesweite Anerkennung ihrer Minderheitensprache Romanes. Bislang sei Romanes nur in Hessen als Sprache anerkannt, kritisierte der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, in Heidelberg. Er nannte es "Diskriminierung pur", dass die Minderheitensprache in den übrigen Bundesländern noch nicht anerkannt sei. "Immerhin ist die Sprache wichtiger Bestandteil der kulturellen Identität", fügte Rose hinzu.

Ein "großes Problem" hätten zudem die in Bayern lebenden Sinti und Roma. Dort würden sie von der Polizei mit "allen möglichen Daten gesondert erfasst", etwa bei der Zahl der Kinder und Autokennzeichen. Die bayerischen Behörden begründen nach Angaben von Rose die Aktion "zur Vorbeugung der Verbrechensbekämpfung". Dies sei eine "echte Diskriminierung", bemängelte der Zentralrats-Vorsitzende. Es gehe nicht an, Sinti und Roma von vornherein als potenzielle Straftäter zu stigmatisieren. Es sei einleuchtend, dass Straftäter bei der Polizei registriert seien, nicht aber Angehörige einer Minderheit.

Laut Rose ist es ein Klischee, dass Sinti und Roma als Nomaden leben und in Wohnwagen unterwegs sind. Vielmehr seien die Minderheitenangehörige in aller Regel als Arbeiter oder Angestellte tätig und lebten in Wohnungen oder Einfamilienhäusern. "Wenn sie mal mit einem Wohnwagen unterwegs sind, dann befinden sie sich - wie andere auch - auf einer Urlaubsfahrt", fügte derZentralrats-Vorsitzende hinzu.

Nach seinen Angaben leben in Europa noch schätzungsweise bis zu 5,8 Millionen Sinti und Roma; der größte Teil von ihnen in Rumänien und in Tschechien.