SchülerInnenvertretungen fordern Beibehaltung der 13jährigen Schulzeit

12 oder 13 Jahre

Die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur auf nur noch 12 statt bisher 13 Jahre stößt auf Kritik: Die BundesschülerInnenvertretung (BSV) und die LandesschülerInnenvertretung Saarland lehnen das "Express-Abi", wie es gerade im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern (wieder) eingeführt wird, ab.

Das Vorhaben, die Schulzeit in der gymnasialen Oberstufe um ein Jahr zu reduzieren ist nach Ansicht der BSV keine bildungspolitische Reform im Sinne der Schülerinnen und Schüler, sondern im Sinne der Finanzminister. Die Schulzeitverkürzung bringe den Landern massive Ersparnisse, aber nicht bringt eine qualitativ höhere Bildung.

Diese zeichnet sich nach Ansicht der BSV unter anderem dadurch aus, dass das Schulsystem gewährleistet, dass Schülerinnen und Schüler aller Milieus den Zugang zur Hochschule haben. Durch die Schulzeitverkürzung werde dieser aber gerade Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen Milieus verwehrt, was dann wiederum dazu führe, dass die Anzahl der Studierenden sinke. So würden weitere Einsparungen im Hochschulbereich ermöglicht.

"Wir sehen, dass die Schulzeitverkürzung keine Reform im Sinne fortschrittlicher Bildungspolitik ist, sondern ein Projekt derer, die ihre Haushaltslöcher stopfen wollen", so das Bundesvorstandsmitglied Daniela Butter.

Haufig werde in der Debatte um die Schulzeit angebracht, dass Schülerinnen und Schüler anderer Lander wie der Vereinigten Staaten ihre Schulzeit nach 12 Jahren beenden und man im globalen Kontext wettbewerbsfahig bleiben müsse. Was dabei aber vergessen werde sei die Tatsache, dass ein Großteil dessen, was in Deutschland in der gymnasialen Oberstufe gelernt wird, in anderen Ländern erst an den Hochschulen in den Lehrplänen stehe. Ein oft angefuhrter Vergleich mit anderen europäischen Staaten wie Frankreich sei ebenfalls kein triftiges Argument. Zwar erlange man dort den Abschluss in der Regel nach 12 Jahren, jedoch blieben rund 40 Prozent der französischen Schülerinnen und Schüler mindestens einmal wahrend ihrer Schullaufbahn sitzen, da sie nicht in der Lage seien, den Stoff in der vorgesehenen Zeit aufzunehmen. "Hier zeigt sich die Willkür der Debatte um 12 oder 13 Jahre bis zum Abitur mehr als deutlich", meint Sebastian Schlüsselburg, Mitglied des Bundesvorstandes.

Die BSV vertritt die Ansicht, dass es gerade in Zeiten der Globalisierung darauf ankommt, Schülerinnen und Schülern ein Bildungssystem zu bieten, das ihnen die größtmögliche Freiheit in einem individuell gestaltetem Bildungsprozess gibt. Ein solcher Prozess brauche in der Regel Zeit. Zwar findet die BSV die Frage, ob die allgemeine Hochschulreife nach 12 oder 13 Jahren erlangt wird, an sich irrelevant. Sie vertritt aber die Ansicht, dass das bundesrepublikanische Bildungssystem nicht so flexibel und demokratisch gestaltet ist, dass bei unterschiedlicher Schulzeit keine Benachteiligung fur solche SchülerInnen entstünde, die für ihren individuellen Lernprozess mehr Zeit brauchen als andere. Solange dies nicht garantiert wird, fordert die BSV, dass die Schulzeit nicht verkürzt werden darf, also im Regelfall bei 13 Jahren bleiben muss.