Greenpeace protestiert: Castoren auf dem Weg nach La Hague

Atomtransport

Ein Transport mit zwei Atommüll-Behältern hat am Mittwochmittag das rheinland-pfälzische Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich verlassen. Die beiden Behälter mit je zwölf abgebrannten Brennelementen sollten an einem geheim gehaltenen Ort im Koblenzer Raum mit Behältern aus Stade und Brunsbüttel zusammengekoppelt werden, teilte die Polizei mit. Beim ersten Castortransport seit den Terroranschlägen auf die USA wird Atommüll aus den Kraftwerken Stade und Brunsbüttel von Norddeutschland und aus Mülheim-Kärlich in die Wiederaufbereitungsanlage in La Hague nach Frankreich transportiert.

Unmittelbar vor der Abfahrt eines Atomtransportes aus dem Atomkraftwerk Brunsbüttel (Niedersachsen) in die französische Wiederaufarbeitungsanlage La Hague hat Greenpeace gestern Nacht auf den Gleisanlagen rund 800 Meter vor dem Werkstor protestiert. Zwei Aktivisten hatten sich mit Seilen und Klettergurten unter einer Rohrleitungs-Brücke abgeseilt und hingen über den Gleisen, die zu dem Kraftwerk führen. 20 weitere Aktivsten setzten sich auf die Schienen. "Keine Atomtransporte" stand auf einem Transparent. Die Aktion wurde von der Polizei nach eineinhalb Stunden beendet. "Atomtransporte waren schon immer eine Gefahr für die Bevölkerung," erklärt Veit Bürger, Energieexperte bei Greenpeace. "Vor dem Hintergrund der aktuellen Weltlage ist es aber ein doppeltes Risiko, einen Konvoi mit voll beladenen Atommüll-Behältern quasi als rollende Zielscheibe quer durch das Land zu schicken."

Gestern Nacht gegen 23.30 Uhr rollten aus dem Kraftwerk Brunsbüttel insgesamt zwei Atommüll-Behälter. Heute Abend sollen sie zusammen mit weiteren Behältern aus Stade (Niedersachsen) Mühlheim-Kärlich (Rheinland Pfalz) von Wörth an der Grenze zu Frankreich in die sogenannte Wiederaufarbeitungsanlage La Hague abfahren. Der Atommüll enthält vergleichbar viel Radioaktivität wie 1986 bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (Ukraine) freigesetzt wurde. Nach Angaben von Greenpeace seien Atombehälter völlig unzureichend gegen mögliche Unfälle und Anschläge gesichert. So müssen sie zum Beispiel bei einem Feuertest eine halbe Stunde lang einen 800 Grad heißen Brand unversehrt überstehen. In Folge eines Unfalls oder durch einen Anschlag kann es jedoch zu deutlich längeren Bränden mit höheren Temperaturen kommen.

Angesichts der angespannten Sicherheitslage fordert Greenpeace von den Stromkonzernen, alle Reaktoren sofort abzuschalten und die Atomtransporte sofort zu stoppen. Außerdem müssen die Atomkraftwerksbetreiber offenlegen, welche zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen sie an ihren Reaktoren, Zwischenlagern und sonstigen Atomanlagen ergreifen werden, um die Anlagen vor Terroranschlägen zu schützen.