Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger fordern Ende der Bombardierung

Afghanistan

Der ehemalige afghanische Präsident und Führer der Afghanischen Nationalen Befreiungsfront, Sibghatullah Al-Mojaddedi, fordert ein Ende der Bombardierung seines Landes. Wegen der großen Verluste unter der Zivilbevölkerung sei eine weitere Bombardierung ein Hindernis bei einer späteren Friedenssicherung, sagte Al-Mojaddedi am Mittwoch in Hamburg. Die Stimmung im Land kippe langsam um, und die Akzeptanz der Amerikaner sinke.

Nach Ansicht von Friedensnobelpreisträger Bischof Carlos Belo haben die USA nicht das Recht zur Bombardierung Afghanistans. "Terror löst keine Probleme. Aber auch Bomben lösen keine Probleme. Ich appelliere an die Welt und die

politischen Führer, die Probleme durch Dialog und friedliche Mittel zu lösen", sagte der Apostolische Administrator von Osttimor. Die Ursachen der Konflikte seien nicht religiös, sondern politisch.

Ex-Präsident Sibghatullah Al-Mojaddedi sprach von mehr als 1.000 Toten unter der Zivilbevölkerung. Das sei "unakzeptabel". 23 Jahre Krieg seien genug für seine Landsleute, sagte er. 1992 war er zum Präsidenten einer Übergangsregierung gewählt worden. Zwei Monate nach seiner Wahl übergab er sein Amt an Burhanuddin Rabbani, dem heutigen Führer der Nordallianz. Al-Mojadeddi wurde von der afghanischen Gemeinde nach Hamburg eingeladen. Er lebt in Kopenhagen im Exil.

Mojadeddi sprach sich außerdem für eine Ausweisung der Ausländer in Afghanistan aus. Mehr als 25.000 Araber und Pakistanis kämpfen an der Seite der Taliban. Ohne ausländische Unterstützung würde das Taliban-Regime zusammenbrechen, sagte Al-Mojadeddi. Er setzte sich für eine islamisch-demokratische Lösung in seinem Heimatland ein. Unter Einberufung einer "Loya Jirga", einer traditionellen afghanischen Versammlung, sollten alle Volksgruppen an einem Dialog beteiligt werden.