Handel verteidigt doppelte Preisauszeichnung - Verbraucherschützer sehen Verwirr

Euroeinführung

Der Verbraucher muss genau hinsehen. Was auf den ersten Blick als ein Schnäppchen erscheint, kostet an der Kasse doch das Zweifache. Die Geschäfte zeichnen schon seit geraumer Zeit ihre Ware mit doppelten Preisen aus, weil ab 1. Januar 2002 der Euro zur offiziellen Währung in Deutschland wird. Doch manchmal ist es für die Kunden unersichtlich, was genau Euro und was genau der DM-Preis ist. Es liegt im Ermessen der Geschäfte, wie sie ihre Ware mit den zwei Preisen versehen, denn eine gesetzliche Verankerung über die graphische Gestaltung der doppelten Preisauszeichnung gibt es nicht. Einig sind sich Handel und Verbraucherverband über die Bedeutung der doppelten Preiseinführung, denn der Kunde müsse mit der neuen Währung vertraut gemacht werden.

Die Metro AG, zu der unter anderen Geschäfte wie Media-Markt, Praktiker aber auch der Galeria Kaufhof gehören, zeichnet die Preise gleich groß aus, oben der Euro unten die Mark. Pressesprecher Albrecht von Truchseß betonte, sein Unternehmen habe sich dieser gleichen Schreibweise "Gott sei Dank" ganz bewusst bedient. Bis Ende Februar 2002 soll es auch so bleiben. Dann werde "sukzessiv mit jeder Preisauszeichnung auf reine Euro-Preise umgestellt". Die Kunden, fügt Truchseß an, "kommen damit auch sehr gut klar", weil eben die Preise gleich groß ausgezeichnet seien.

Generell sieht der Pressesprecher die doppelte Preisauszeichnung als "sinnvoll" für Kunden und Handel. "Wir haben es geschafft, dass die Leute mit dem Euro vertrauter geworden sind." Die Vorbereitungen des Konzerns laufen schon seit 1997, erzählt von Truchseß. Auch die Kassen sind schon umgestellt und müssen "nur noch scharf gemacht werden". Ab dem Stichtag erhalten die Kunden nur noch Euro als Wechselgeld. Doch stellen sich die Geschäfte auf viele Rückfragen ein und haben für den Monat Januar besonders viel Personal eingeplant.

Auch bei Karstadt sind seit letztem Jahr alle Produkte komplett in beiden Währungen ausgezeichnet. Während jedoch in der Werbung der DM-Preis größer als der Euro zu erkennen sei, sei auf den Produkten seit dem Sommer 2001 ein größerer Euro-Preis zu finden. Kritik an dieser unterschiedlichen Preisauszeichnung schmettert Pressesprecher Elmar Kratz ab. Die Kunden könnten durchaus zwischen Euro und DM unterscheiden. "Der Verbraucher ist aufgeklärt genug." Bei eventuellen Verwechslungen werde aber selbstverständlich aufgeklärt. So sieht der Pressesprecher auch in irreführenden vermeintlichen Schnäppchen "keine Massenbewegung", denn man höre es nur vereinzelt aus den Filialen.

Aufgrund der Umsetzung und des Warenangebots wird die doppelte Auszeichnung auch noch nach dem Stichtag in den Geschäften zu finden sein. "Das ist nun mal so in der Übergangszeit", erläutert der Pressesprecher, denn ansonsten müssten sämtliche Mitarbeiter des Unternehmens 24 Tage lang alles neu auszeichnen, wie eine interne Berechnung des Konzerns ergab. Neue Ware werde ab dem 1. Januar aber nur noch in Euro ausgezeichnet.

Die Verbraucherschützer hingegen fordern den Handel auf, irreführende Preisauszeichnung in Euro und D-Mark zu vermeiden. Nach Ansicht der Referentin für Banken und Finanzdienstleistungen vom Verbraucherzentralen Bundesverband (vzbv), Maren Geisler, "ist es ein Ärgernis für den Verbraucher", wenn der Euro-Preis auf der Ware groß hervorgehoben ist, der DM-Betrag hingegen ganz klein. Eine irreführende Preiszeichnung sei sogar wettbewerbswidrig, warnt die Expertin.

Die Verbraucherzentrale habe die Möglichkeit, entsprechende Verstöße wettbewerbsrechtlich zu verfolgen. "Wir mahnen das ab", unterstrich sie. Dennoch betont Geisler die Wichtigkeit der doppelten Preisauszeichnung in Euro und D-Mark, denn "der Verbraucher soll ein Gefühl für den Preis und die Umrechnung bekommen". Es müsse aber immer eindeutig erkennbar sein, was der Euro- und was der DM-Preis ist.