Ifo-Institut: Deutsche Konjunktur geht weiter abwärts, mehr Arbeitslose

Wirtschaftsentwicklung

Ungeachtet mancher Hoffnungsschimmer beim jüngsten Geschäftsklima-Index ist die Talsohle der Konjunktur in Deutschland noch nicht erreicht. Der Tiefpunkt wird vermutlich im zweiten Quartal des Jahres kommenden Jahres liegen, schreibt das Münchner Ifo-Institut in seiner am Mittwoch veröffentlichten jüngsten Prognose. Der erhoffte Aufschwung aus der anhaltenden Delle habe sich durch die Terroranschläge vom 11. September und den damit einhergehenden "globalen Attentismus" der Konsumenten und Investoren verzögert.

Nach Ansicht der Konjunkturexperten des Instituts dürfte sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland von 0,5 Prozent im laufenden Jahr im kommenden Jahr nur auf 0,6 Prozent verbessern. Damit liegt die Ifo-Prognose mit der aktuellen Prognose des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) gleichauf an der unteren Erwartungsschwelle. Voraussetzung dafür sei, dass es zu keinen weiteren massiven terroristischen Anschlägen kommt, die militärische Auseinandersetzung in Afghanistan bald beendet wird und sich der Palästinakonflikt nicht zu einem Flächenbrand im Nahen Osten entwickelt.

Dabei werde auch unterstellt, dass der Importpreis für Rohöl in den westlichen Industrieländern im Jahresdurchschnitt 2002 mit rund 20 US-Dollar pro Barrel weiterhin auf dem derzeitigen Niveau liegt, heißt es weiter. Im ablaufenden Jahr wurde ein Durchschnittspreis bei knapp 25 US-Dollar ermittelt.

Deutschland bleibt laut Ifo-Analyse beim Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) das Schlusslicht in Europa. In der Eurozone werde das BIP um reichlich 1,25 Prozent (2001: 1,5) Prozent steigen. In den USA werde sich die Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr um ebenfalls 1,25 Prozent (2001: 1,0) Prozent erhöhen. Trotz einiger abweichender Meldungen werde die Einführung des Euro-Bargeldes weitgehend preisneutral erfolgen, schätzt das Institut ein. Der Verbraucherpreisanstieg dürfte sich im nächsten Jahr auf 1,5 Prozent belaufen nach 2,5 Prozent in diesem Jahr. Die Arbeitslosenzahl werde im Frühjahr saisonbereinigt die Vier-Millionen-Schwelle überschreiten und im Jahresdurchschnitt bei vier Millionen liegen nach 3,853 Millionen im diesem Jahr. Die Arbeitslosenquote wird bei 9,3 Prozent erwartet (2001: 9,1).