Vier Milliarden Mark fehlen in der GKV

Krankenkassen

Die Bundesregierung erwartet für dieses Jahr ein Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung von insgesamt gut vier Milliarden Mark. Von Januar bis September hätten die Kassen ein Minus von rund 6,19 Milliarden Mark verbucht, sagte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Dienstag in Berlin. Dieses Defizit werde aber durch die zu erwartenden Überschüsse von rund zwei Milliarden Mark im vierten Quartal aufgrund der Weihnachtsgeldzahlungen in dieser Zeit verringert.

Das erwartete Gesamtdefizit entspricht Schmidt zufolge rein rechnerisch einer Beitragssteigerung von 0,2 Prozentpunkten. Die mit einem Zuwachs von 11,1 Prozent größte Steigerung war in den ersten neun Monaten bei den Ausgaben für Arzneimittel zu verzeichnen. Zwar könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Anstieg auch mit Kostenverschiebungen zu tun habe, weil zum Beispiel die rückläufige Zahl der Krankenhaustage zu Mehrkosten bei den Arzneimitteln führe. Dass aber rund 2,25 Milliarden Mark des erwarteten Jahresdefizits von vier Milliarden Mark zu Lasten des Arzneimittelsektors gehe, sei "medizinisch nicht begründbar und damit nicht akzeptabel". Die Bundesregierung habe daher bereits entsprechende gesetzliche Schritte eingeleitet.

Extreme Kostensteigerungen sind Schmidt zufolge aber auch in anderen Bereichen zu verzeichnen. So müssten die Kassen sich fragen lassen, ob nicht ein "Fahrtkostenmanagement" zu besseren wirtschaftlichen Ergebnissen in diesem Bereich führen könnte. Außerdem sei der überproportionale Anstieg der Verwaltungskosten um 4,4 Prozent "erklärungsbedürftig".

Die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen hatten am vergangenen Freitag bekannt gegeben, dass sie für 2001 mit einem Defizit von rund fünf Milliarden Mark rechnen. Zugleich hatte die Techniker Krankenkasse zum 1. Januar 2002 eine Beitragserhöhung um 0,5 Punkte auf 13,7 Prozent angekündigt, die Barmer Ersatzkasse um 0,6 Punkte auf 14,5 Prozent.