Deutsche greifen bei Getränken immer öfter zum Einweg

Durchmarsch der Dosen

Dosen und andere Einweg-Getränkeverpackungen verdrängen in Deutschland immer mehr die Mehrwegflaschen. Nach einer am Donnerstag in Berlin von Umweltorganisationen und der mittelständischen Getränkewirtschaft vorgestellten Studie ist die Mehrwegquote im laufenden Jahr bis September auf 62,5 Prozent eingebrochen. Die gesetzliche Mehrwegquote mit 72 Prozent ist damit deutlich unterschritten. Der Bundesverbandes mittelständischer Privatbrauereien fordert die Einführung eines Dosenpfands.

Die Entwicklung hin zu Einwegverpackungen sei "dramatisch", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes mittelständischer Privatbrauereien, Roland Demleitner. Ohne die Einführung eines Dosenpfands seien zahlreiche Abfüller und Hersteller in ihrer Existenz bedroht, warnte er. Zudem befürchte er eine geringere Produktvielfalt. Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, warnte vor einer weiteren Vermüllung der Landschaft.

Laut Studie der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) stieg der Anteil an Kunststoff-Einwegflaschen bei Limonaden von 4,3 Prozent im Januar 2000 auf 23 Prozent im Juni 2001 und bei Mineralwasser von 4,8 auf 18,4 Prozent. Auch der Absatz an Bier-Halbliterdosen hat sich den Angaben zufolge trotz eines insgesamt rückläufigen Biermarkts im Jahr 2001 um 6,3 Prozent erhöht. Ihr Marktanteil liege nun bereits bei 26 Prozent.

Die FDP-Umweltexpertin Birgit Homburger stellte die Aussagekraft der Zahlen in Zweifel. Der Verpackungsmarkt habe sich seit Verabschiedung der geltenden Verpackungsverordnung von 1991 grundlegend gewandelt. So seien mittlerweile Getränkekartons der Mehrwegflasche ökologisch gesehen mindestens gleichwertig. Rechne man diese Faktoren mit ein, ergebe sich ein Anteil "ökologisch vorteilhafter Getränkeverpackungen", der deutlich über der Mehrwegquote von 72 Prozent liege.

Eine von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) geplante Novelle der Verpackungsverordnung, die statt der Mehrwegquote eine Unterscheidung zwischen ökologisch vorteilhaften und ökologisch nachteiligen Verpackungen vorsah, war im Sommer am Widerstand des Bundesrats gescheitert. Daher ist die Verpackungsverordnung von 1991 weiter in Kraft.

Die GfK-Zahlen haben keine unmittelbare Auswirkung auf den Rechtsstreit zwischen Bundesregierung und Getränkegroßindustrie um die Veröffentlichung der Mehrwegquoten von 1999. Die Großunternehmen wollen vor dem Berliner Oberverwaltungsgericht deren Veröffentlichung verhindern. Sie verweisen auf mögliche Fehlerquellen bei den Daten. Nach der geltenden Verpackungsverordnung tritt bei mehrmaligem Unterschreiten der gesetzlichen Quote sechs Monate nach Veröffentlichung der Erhebung im Bundesanzeiger ein Pfand auf bestimmte Einwegverpackungen in Kraft. Ob es so weit kommt?