DIW-Chef rechnet 2002 mit vier Millionen Arbeitslosen

Arbeitslosigkeit

Die erhoffte Wende auf dem deutschen Arbeitsmarkt kommt nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erst im Jahr 2003. Im Jahresschnitt 2002 rechne er mit mindestens vier Millionen Arbeitslosen, sagte DIW-Präsident Klaus F. Zimmermann dem Wirtschaftsmagazin "Focus-Money". Die Konjunktur werde zur Jahresmitte wieder anziehen. Die von den Gewerkschaften angekündigte "harte Lohnrunde" mit Forderungen von bis zu sieben Prozent wertete Zimmermann als ein "verheerendes Signal". Gebraucht würden differenziertere Forderungen und Abschlüsse mit längeren Laufzeiten.

Von der in der rot-grünen Koalition diskutierten Anhebung der Einkommensgrenze der 630-Mark-Jobs hält Zimmermann nichts. "Wer Arbeitslosen- oder Sozialhilfe bezieht, dem bringt auch eine Grenze von 1200 Mark nichts. Das Einkommen wird ihm ohnehin von der staatlichen Hilfe abgezogen", hob Zimmermann hervor. Die Unternehmen würden eine höhere Einkommensgrenze nur nutzen, um noch mehr reguläre Arbeitsplätze aufzuteilen. Das hätte massive Verwerfungen zur Folge. Außerdem seien enorme Lohnsteuerausfälle zu befürchten, die sich Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) kaum leisten könne.

Für Arbeitslose und arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger rechne es sich schlicht nicht, Jobs anzunehmen, wenn ihnen das Einkommen vollständig wieder abgezogen werde, gab Zimmermann zu bedenken. Er plädierte dafür, die Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammenzufassen und diese Zuwendungen Arbeitsfähigen nur noch zukommen zu lassen, wenn sie bereit seien, Arbeit anzunehmen.