Greenpeace vermutet Zusammenhang mit Ölplattformen in der Nordsee

Pottwalstrandung vor Friedrichskoog

Die am Dienstag Abend an der Nordseeküste vor Friedrichskoog gestrandeten Pottwale stehen vermutlich im Zusammenhang mit den seismischen Untersuchungen und den Bohrungen nach Öl und Gas auf hoher See. Dies erklärte Greenpeace heute früh in Hamburg. Danach steht vor allem die Erschließung neuer Ölfelder westlich der Shetland Inseln im Verdacht, derart starke akustische Signale zu erzeugen, dass die hochsensiblen Wale die Orientierung verlieren. Die Tiere, sind sie einmal gestrandet, haben nur sehr geringe Überlebenschancen, weil sie durch ihr hohes Eigengewicht schnell ersticken. In den letzten zehn Jahren sind in der Nordsee 98 Pottwale gesichtet worden, davon strandeten 82. Greenpeace ist mit Schlauchbooten vor Ort, um die Tiere genauer zu untersuchen und Menschen über die Hintergründe zu informieren.

"Immer mehr Wale verirren sich in die Nordsee", sagt Greenpeace-Waleexperte Thilo Maack. "Der Zusammenhang mit der Öl –und Gasindustrie in der Nordsee liegt auf der Hand, muss aber nicht unbedingt auch für die drei Pottwale gelten, die gestern gestrandet sind. Wir wollen herausfinden, warum diese drei Tiere starben." Greenpeace wird versuchen, vor der Bergung der Tiere Gewebeproben zu nehmen, um sie auch nach Schadstoffen oder auf möglichen Parasitenbefall zu untersuchen.

Maack: "Nur wenn man die Gründe der Strandungen kennt, kann man den Pottwalen in Zukunft helfen." In der Nordsee stehen rund 400 Öl- und Gasplattformen, die jedes Jahr rund 10.000 Tonnen Öl und 100.000 Tonnen Chemikalien einleiten. Klar ist, dass sich die Pottwale verirrt haben müssen, wenn sie in die flache Nordsee schwimmen. Normalerweise ziehen sie nordwestlich an Schottland und Irland vorbei.