Neuer Castor unterwegs? Greenpeace fordert öffentliche Transportpläne

Atomtransporte

Die Atomindustrie gefährdet nach Ansicht von Greenpeace die Bevölkerung durch "klammheimliche" Castortransporte. Um Proteste zu verhindern, wollten die Betreiber von Atomkraftwerken die Transporte unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchführen, sagte Greenpeace-Sprecher Stefan Schurig am Mittwoch in Hamburg. Dies sei jedoch "unverantwortlich". Schließlich würden die Castoren mit hochradioaktivem Material durch dicht besiedelte Gebiete und auch Großstädte wie Hamburg rollen. Nach Greenpeace vorliegenden Informationen wird Mittwoch der erste Atomtransport in diesem Jahr von Deutschland nach Frankreich rollen. Voraussichtlich passieren drei Castorbehälter mit hochradioaktiven, abgebrannten Brennelementen die deutsch-französische Grenze bei Saarbrücken.

Ihr Ziel, Protestaktionen von vornherein zu verhindern, werde die Atomindustrie damit jedoch nicht erreichen, zeigte sich Schurig überzeugt. Den Transport von insgesamt 125 Castorbehältern in die Wiederaufarbeitungsanlagen im britischen Sellafield und im französischen La Hague in diesem Jahr werde die Anti-Atom-Bewegung "nicht einfach durchgehen lassen". Durch die anhaltenden Proteste sei im vergangenen Jahr nur die Hälfte der geplanten Atommülltransporte auf die Reise geschickt worden. Die Atomgegner hätten bewirkt, dass der Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie beschlossen wurde. Die Proteste würden in Zukunft auch dazu führen, dass ein wesentlich schnellerer Ausstieg nötig werde.

Der nächste Castor-Transport nach Gorleben wird nach Angaben von Greenpeace erst im Herbst stattfinden. "Eine derartige innenpolitische Zerreißprobe will man vor der Bundestagswahl nicht mehr haben."