"Schneeleopard könnte weiteres Opfer des Afghanistan-Krieges werden"

NABU fordert Schutzprogramm

Der Naturschutzbund NABU warnt vor dem Aussterben der letzten Schneeleoparden in Afghanistan. "Der Schneeleopard könnte bald ein weiteres Opfer des Krieges in Afghanistan werden", meinte Birga Dexel, Leiterin des NABU-Schneeleopardenprojektes. Hätten bis zum Jahr 2001 bereits weit weniger als hundert Exemplare in Afghanistan überlebt, sei diese Zahl durch den illegalen Handel der Taliban mit Schneeleopardenfellen noch weiter reduziert worden. In Zentralasien würden derzeit bis zu 2000 US-Dollar für ein Fell gezahlt. "Im vorigen Monat wurde in Jalalabad ein Schneeleopardenschädel zum Kauf angeboten und Flüchtlinge haben sich freies Geleit über die Grenze ins sichere Nachbarland Pakistan mit Fellen erkauft", so Dexel.

Afghanistan habe eine lange Tradition im Handel mit Schneeleopardenfellen, bis zur Invasion durch die Sowjetarmee seien jährlich zwischen 50 und 80 Großkatzen für ihr Fell getötet worden. "Selbst wenn noch einige wenige Schneeleoparden das Taliban-Regime und den Krieg überlebt haben sollten, stehen ihre Chancen jetzt schlecht", sagte Dexel. Die afghanischen Hochgebirge seien ökologisch angegriffen, die üblichen Beutetiere wie Steinböcke und Wildschafe durch die Jagd der lokalen Bevölkerung und der in die Berge geflohenen Menschen dezimiert. Außerdem drohten der Katze weitere Gefahren durch die 10 Millionen im Land verlegten Minen. "Den Schneeleoparden fehlen unter den derzeitigen Bedingungen Rückzugsgebiete, die sie während der Paarungszeit zwischen Januar und März brauchen", erklärte Dexel.

Die NABU-Expertin appellierte an die Afghanische Regierung, Maßnahmen zum Schutz der Schneeleoparden und weiterer 75 bedrohter Arten im Land als Teil des Wiederaufbau-Programms einzuleiten. Das zentralasiatische Land hätte weder eine Schutztradition noch entsprechende Institutionen, obwohl es Mitglied des Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) sei. "Um so wichtiger ist es, dass internationale Organisationen ihre Hilfe bei den gravierenden Naturschutzproblemen anbieten", so Dexel abschließend.