Medico: Savimbis Tod bringt Angola nicht automatisch Frieden

Angola

In der angolanischen Zivilgesellschaft gibt es erheblichen Zweifel am Friedenswillen der dos-Santos-Regierung. Angolanische Partner und Kontaktpersonen der Frankfurter Hilfsorganisation medico international fürchten, dass die Regierung trotz des Todes von Unita-Chef Savimbi ihren bisherigen Kriegskurs beibehält. Rafael Marques, ein Journalist aus Angola und Mitbegründer der Friedensbewegung, kritisierte öffentlich die Reaktionen von Angolas Regierungschef dos Santos. Nur ein sofortiger Waffenstillstand sei der Wille des Volkes. Auch die Friedenskommission der Kirchen, die wesentliche Teile der angolanischen Gesellschaft repräsentiert, forderte einen sofortigen Waffenstillstand. Erzbischof D. Zacarias Kamuenho, diesjähriger Träger des Sacharow-Preises, machte deutlich, dass die Regierungspartei MPLA das Land allein nicht in den Frieden führen werde. Ohne eine Einbeziehung der Zivilgesellschaft werde es keinen Frieden geben.

Durch die internationale Politik, so medico-Projektkoordinator für Angola, Sebastian Kasack, müsse jetzt unbedingt Druck auf dos Santos ausgeübt werde, sofort einen Waffenstillstand auszurufen und sichtbare Zeichen des Friedenswillens zu setzen. Sonst werde die 40jährige humanitäre Katastrophe in Angola weitergehen. Die Menschen in Angola bräuchten eine soziale Perspektive jenseits der Kriegsökonomie, die durch reichlich Diamanten und Ölvorkommen noch auf Jahre finanzierbar ist.

medico international ist seit 1995 in Angola auf dem Gebiet der Minenräumung und Opferrehabilitation tätig. Die Hilfsorganisation musste immer wieder beobachten, wie der Bürgerkrieg die Wiederaufbaubemühungen zunichte machte. Die von medico geförderte Gemeindearbeit und prothetische Versorgung von Minenopfern in der Provinzhauptstadt Luena, in der Savimbi vorgestern beerdigt wurde, wird immer wieder durch das Bürgerkriegsgeschehen heftig in Mitleidenschaft gezogen. Seit medico in der Hauptstadt der Provinz Moxico tätig ist, hat sich die Zahl der Kriegsflüchtlinge um ca. 100.000 verdoppelt. Der Ort wird seit Jahren nur aus der Luft versorgt. Täglich gibt es neue Minenopfer, weil immer wieder neue Minen verlegt werden. Diese humanitäre Not macht immer wieder akute humanitäre Hilfe für Flüchtlinge notwendig. Gerade jetzt führt medico eine Nothilfemaßnahme für 2000 Flüchtlingsfamilien durch, die vor wenigen Wochen aus Unita-Gebiet teils freiwillig teils auf Druck der Regierungssoldaten geflüchtet sind. Sie leben derzeit unter erbärmlichsten Bedigungen am Rande von Luena.

Um in dieser Situation Wege aus der Krise zu finden, hat medico gemeinsam mit anderen europäischen NGOs, die in Afrika tätig sind, die Kamapagne "Fatal Transactions" ins Leben gerufen. Die Kamapagne hat sich zum Ziel gesetzt, die internationalen ökonomischen Verflechtungen, die die Aufrechterhaltung des Krieges möglich machen, zu verdeutlichen und einen Boykott vom Handel mit Rohstoffen zu fordern, die die Kriegsökonomie finanzieren. Außerdem unterstützt medico die angolanische Zivilgesellschaft und insbesondere die freie angolanische Presse.