Rau fordert mehr Toleranz gegenüber Behinderten

Bedingungen werden sogar schlechter

Mehr Toleranz und Hinwendung im Zusammenleben mit behinderten Menschen fordert Bundespräsident Johannes Rau. Zur Eröffnung der Ausstellung "Der (im-)perfekte Mensch" sagte Rau am Freitag in Berlin, bei vielen Behinderten gebe es Verbitterung und verständlichen Zorn über noch nicht erreichte Möglichkeiten zur Teilhabe. "Die Arbeit dafür wird noch lange weitergehen müssen", betonte das Staatsoberhaupt. Die jüngsten Gesetzesbeschlüsse zur Verbesserung der Gleichstellung behinderter Menschen seien nur Schritte auf diesem Weg.

Rau betonte, in den vergangenen Jahren seien die Bedingungen für die Gleichstellung behinderter Menschen sogar schwieriger geworden. Rau sprach von einer "Ökonomisierung aller Lebensbereiche", die mit ihrem einseitigen Nutzen-Kalkül den "Normierungsdruck" verstärke. Behinderte Menschen seien die ersten, die dadurch belastet und verdrängt zu werden drohten. "Auch da muss der Gesetzgeber weiter wachsam sein", mahnte der Bundespräsident.

Die Ausstellung "Der (im-)perfekte Mensch" war im vergangenen Jahr im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden ein großer Publikumserfolg. Mehr als 170.000 Besucher sahen sich die Exposition über "das Recht auf Unvollkommenheit" an. Die Ausstellung ist nun im Berliner Martin-Gropius-Bau vom 16. März bis zum 2. Juni zu sehen.