Familie und Beruf passen weiterhin nicht unter einen Hut

Zum Frauentag Frauenpolitik am Pranger

Die Frauen- und Familienpolitik in Deutschland bekommt zum Frauentag nach wie vor schlechte Noten. Kritik kommt vor allem von der Opposition und den Gewerkschaften. Die Bundesvorsitzende der Frauen-Union, Maria Böhmer (CDU), sagte, Deutschland liege im internationalen Vergleich bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf weit hinten. Die CSU-Politikerin Dagmar Wöhrl sagte, die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) angedrohte Frauenquote in der Wirtschaft würde neue Barrieren zwischen den Geschlechtern aufbauen. DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer kritisierte, dass Frauen immer noch weniger Lohn für gleichwertige Arbeit erhielten als ihre männlichen Kollegen. SPD-Frauen zogen dagegen ein positives Fazit ihrer gut dreijährigen Frauenpolitik.

So verwies Bundesfrauenministerin Christine Bergmann (SPD) auf das ressortübergreifende Programm "Frau und Beruf", das im Erwerbsleben ansetze. Mit dem Gesetz über die Elternzeit und mit dem Teilzeitgesetz werde den Familien die Lebensplanung erleichtert. Auch SPD-Politikerin Christel Humme sagte, die Regierung sei dem Ziel der Gleichstellung von Frauen ein großes Stück näher gekommen. Mit dem Gleichstellungsgesetz sei im öffentlichen Dienst ein entscheidender Fortschritt erzielt worden. Sie räumte jedoch ein, dass Frauen im Erwerbsleben benachteiligt sind.

Die beste Frauenpolitik ist nach Ansicht der CSU-Politikerin Wöhrl eine gute Wirtschaftspolitik. Quoten seien da unnötig. Wichtig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei außerdem die Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle. Zudem müsse es mehr ganztägige Kinderbetreuungsmöglichkeiten geben.

Auch die Gewerkschafterin Engelen-Kefer bemängelte fehlende Ganztagseinrichtungen für Kinder, unflexible Arbeitszeiten für Eltern sowie Sozialversicherungs- und Steuersysteme, die das männliche Ernährermodell begünstigten. "Der Anteil der Frauen an der Arbeitslosigkeit ist hoch", stellte sie fest. Dagegen sei nicht genug getan worden.

Die frauenpolitische Sprecherin der PDS, Petra Bläss, sprach sich dafür aus, bei der Beilegung gesellschaftlicher Konflikte mehr auf Frauen zu setzen. Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl forderte die Politik auf, die gesetzliche Grundlage für den Schutz von Opfern geschlechtsspezifischer Verfolgung zu schaffen. Sie begrüßte die entsprechende Regelung im rot-grünen Gesetzentwurf zur Zuwanderung.