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Coltanfieber kann die Hoffnung auf Frieden im Kongo zunichte machen

Studie

Vor wenigen Tagen haben sich Kongos Bürgerkriegsparteien im südafrikanischen Sun City auf eine Zusammenlegung ihrer Truppen geeinigt. International wurde dies als Durchbruch der Friedensverhandlungen gewertet. Doch das Land ist weiterhin wirtschaftlich und politisch instabil, und Regierung und Rebellen sind in ein lukratives Exportgeschäft verwickelt, das eines der Hindernisse für eine wirkliche Beendigung des Konflikts darstellt und die Lebensweise der Landbevölkerung dramatisch verändert: Coltan - ein Rohstoff, der in Handys verwendet, aber auch für die Rüstungstechnologie genutzt wird. Die jetzt in deutsch vorliegende Studie "Coltanfieber" untersucht die Problematik des Coltan-Bergbaus insbesondere hinsichtlich seiner gesellschaftlichen Folgen.

Sie wurde vom interkulturellen "Pole Institute" in Goma und dem Zusammenschluss ländlicher Organisationen in Nord-Kivu, CREDAP, vor wenigen Monaten in Englisch veröffentlicht und erscheint in der deutschen Ausgabe in aktualisierter Fassung. Autoren der Studie sind Aloys Tegera unter Mitwirkung von Mikolo Sofia (beide Pole-Institute), der taz-Redakteur Dominic Johnson und die EED-Beraterin Christiane Kayser.

Bis heute ist der Coltanexport im krisengeschüttelten Ostkongo eine Quelle des Profits für eine Handvoll Geschäftsleute. Der Export ist Staatsmonopol. Frühere Bergbaukonzessionen werden nun von Schürfern eigenverantwortlich betrieben. Sie suchen vor allem nach Coltan. Junge Leute verlassen die Schulen und werden vom schnellen Geld in die Minen gelockt. Es droht eine Zunahme von Gewaltkriminalität. Aus landwirtschaftlichen Gebieten ziehen die Menschen in die Minen, in der Hoffnung, Coltan zu finden und damit Geld zu verdienen. Durch die Abwanderung droht eine ernste Ernährungskrise in der Provinz, wenn weiter Felder in Minen verwandelt werden.

In der Einleitung der Studie verweisen die Autoren auf die kontroverse Diskussion auf internationaler Ebene - vom UN-Sicherheitsrat bis zum belgischen Parlament - um den Zusammenhang von Rohstoffausbeutung und Kriegsfinanzierung. Von vielen Gruppen wird dabei immer wieder ein Boykott oder zumindest ein Moratorium für den kongolesischen Coltanhandel vorgeschlagen. Die Autoren der Studie halten das jedoch kaum förderlich für den Frieden: "Die betroffenen Unternehmen würden ihre Geschäfte weiter betreiben, aber in einer noch undurchsichtigeren Art, oder sie würden den Coltanhandel in andere Regionen verlagern, ohne seine Struktur zu verändern. Die Bevölkerung des Kivu würde nichts gewinnen, sondern eine ihrer wenigen verbliebenen Einkommensquellen verlieren." Die Autoren fordern eine Regulierung des Bergbaus und Handels, damit Versöhnungsprogramme eine Chance haben.

Die Studie "Coltanfieber" befasst sich mit internationalen Aspekten des Coltangeschäfts, dokumentiert aber auch Stimmen der Betroffenen, wie Bergleuten, Bauern, Viehzüchtern und Frauen, aber auch bewaffneten Gruppen. Die Stimmen der Betroffenen fügen der internationalen Diskussion eine lokale Dimension hinzu, die ansonsten in der Debatte um die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen des Kongo unberücksichtigt bleibt. Mit der Studie hoffen die Autoren, zur Stärkung der kongolesische Bevölkerung als aktiver Mitgestalter ihrer eigenen Angelegenheiten beizutragen.

Die Studie und ein Interview mit Christiane Kayser gibt es als Download auf der EED-Homepage.

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