Hochwasser in Zentral-Asien könnte gigantische Umweltkatatrophe auslösen

Sowjetische Uran-Lager stehen unter Wasser

Überschwemmungen in Zentralasien könnten nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation WHO zu einer gigantischen Umweltkatastrophe führen. Ehemalige Uran-Minen in Süd-Kirgisistan stehen nach Angaben von WHO-Experten schon unter Wasser, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Mindestens zwei Mio. Tonnen Uran-Abfälle blieben nach den sowjetischen Atomwaffenprogramm in den Minenfeldern und den Industrieanlagen zurück. Zwischen 1945 und 1968 wurde dort Uran abgebaut. Abfälle wurden an 23 verschiedenen Plätzen zurückgelassen, zum Teil als Füllmaterial in den Bergwerken. Die Wissenschaftler warnen davor, dass Landbewegungen und Erdrutsche, die durch das Hochwasser im Mailluu-Suu Fluss ausgelöst werden könnten, zur Katastrophe führen können. Die Region des Fergana-Tales, südlich der Uran-Lagerstätten, wird von sechs Millionen Menschen bewohnt, daneben befinden sich Reis- und Baumwollpflanzungen. Die Uranabfälle sind nicht nur radioaktiv, sondern auch hochtoxisch. Sie enthalten Arsen und andere Schwermetalle.

Der deutsche Forscher Gerhard Schmidt, der seit Jahren die Minen untersucht, befürchtet, dass im schlimmsten Fall das Trinkwasser im Fergana-Tal ungenießbar werden könnte. Der Forscher, der im Bereich Nukleartechnik und Anlagensicherheit am Öko-Institut in Darmstadt arbeitet, sagte gegenüber dem Wissenschaftsmagazin, dass die Uranabfälle Thorium 230, Radium 226 und Blei 210 enthalten. "Diese Substanzen haben das Potenzial, eine Langzeitverschmutzung hervorzurufen", so der Forscher, der bereits 1998 vorgeschlagen hatte, die Uranabfälle an einen anderen Ort zu transportieren. Damals hat die Regierung von Kirgisistan um die finanzielle Unterstützung von anderen Ländern gebeten. Nikolai Tanaeyev, Vize-Premier-Minister des Landes, hat bereits diese Woche vor einer großräumigen Umweltverschmutzung in der Region gewarnt, falls die Uranlager tatsächlich überflutet werden.