Warnstreiks am Bau begonnen, Stahlverhandlungen dauern an

Tarifstreits

Mehr als 40 000 Bauarbeiter beteiligen sich seit Freitagmorgen an den bundesweiten Warnstreiks der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau). Auf rund 2500 Baustellen hätten Beschäftigte der Branche für mehrere Stunden die Arbeit niedergelegt, sagte der IG-BAU-Vorsitzende Klaus Wiesehügel am Freitag in Berlin. Mit dieser hohen Beteiligung seien all diejenigen "Lügen gestraft worden, die in den vergangenen Tagen mangelnde Streikbereitschaft der Kumpels vom Bau herbeireden wollten", sagte Wiesehügel. Die Bereitschaft der Bauarbeiter zum Arbeitskampf sei vorhanden. "Wir müssen jetzt zeigen, dass wir uns wehren können", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende.

Die Baugewerkschaft mit ihren rund 60 Bezirksverbänden fordert Lohnerhöhungen von 4,5 Prozent sowie höhere Mindestlöhne in Ost- und Westdeutschland. Zudem darf es nach dem Willen der Arbeitnehmervertreter zu keiner Verschlechterung bei den Rahmentarifverträgen kommen. Die Bezahlung soll sich darüber hinaus weiterhin nach der Berufsausbildung richten.

Für die kommende Woche plant die Baugewerkschaft Urabstimmungen in zahlreichen Betrieben. Ab 17. Juni könnten den Angaben nach bundesweit die ersten unbefristeten Streiks beginnen. Zuvor hatten sich Vertreter beider Tarifparteien trotz zahlreicher Verhandlungsrunden nicht auf ein abschließendes Ergebnis geeinigt.

Unterdessen wies die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Vorwürfe der Arbeitgeber zurück, mit einem Arbeitskampf das Tarifsystem der Branche zu gefährden. "Hätten nicht ostdeutsche Arbeitgeber den höheren Mindestlohn verweigert und schon erzielte Kompromisse wieder zurückgenommen, wäre die Schlichtung erfolgreich gewesen", sagte der Berliner IG-BAU-Chef Rainer Knerler der "Berliner Zeitung" von Freitag. Die Arbeitgeber müssten schon selbst für Ordnung in ihren Reihen sorgen. Knerler warnte davor, die Kampfkraft der Gewerkschaft im Osten zu unterschätzen. In den neuen Ländern sei die Motivation der Beschäftigten besonders hoch. Er fügte hinzu: "Dort herrscht starker Frust, weil es praktisch in den letzten Jahren netto kaum mehr Geld gab." Zudem müssten sich die Bauarbeiter gegen Leistungsverdichtung, Lohndumping und Einkommenskürzungen wehren.

Zuvor hatte der Vizepräsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Heinz Schüssler, der Gewerkschaft vorgeworfen, nach der am vergangenen Samstag gescheiterten Schlichtung ein "Spiel mit dem Feuer" zu treiben. Es habe in der Vergangenheit "keinen ungünstigeren Augenblick für einen Streik" gegeben. Die Arbeitgeber seien mit ihrem Angebot angesichts der Baukrise bis an die Grenze des Vertretbaren "und darüber hinaus" gegangen, betonte Schüssler.

Die Tarifverhandlungen für die rund 85 000 Beschäftigten der Eisen- und Stahlindustrie in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen gehen heute in Gelsenkirchen in die zweite Runde. Arbeitgeber und Gewerkschaft hatten sich am 29. Mai nach zweieinhalb Stunden vertagt. Die Arbeitgeber hatten noch kein Angebot präsentiert. Die IG Metall fordert die Erhöhung der Löhne und Gehälter um 6,5 Prozent ab dem 1. Juni. Für die Auszubildenden wird ein Anstieg der Vergütungen um monatlich 77 Euro verlangt.