Mehr Rechte für Fahrgäste und klare Spielregeln auf der Schiene

Bahn zwischen Verbraucherschutz und Wettbewerb

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Fahrgastverband Pro Bahn haben nachhaltige Verbesserungen beim Verbraucherschutz für Fahrgäste in öffentlichen Verkehrmitteln angemahnt. "Die Züge fahren heute Tempo 300, während die Verbraucherrechte weitgehend auf dem Niveau der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts stehen geblieben sind", stellte Edda Müller, Vorstand des vzbv, auf einer Tagung in Berlin fest. Das Problem werde sich durch neue Anbieter und die europäische Marktöffnung eher noch verschärfen. Deshalb müsse es klare Spielregeln geben. "Vernünftige Allgemeine Geschäftsbedingungen für Entschädigungen der Fahrgäste, transparente Tarife, aussagekräftige Fahrscheine sowie eine Auskunft, die alle Anbieter gleichberechtigt aufführt, sind unsere Hauptforderungen", so Müller weiter.

Forderungen, die auch von dem stellvertretenden Bundesvorsitzender von Pro Bahn Hartmut Buyken unterstützt werden. "In Großbritannien gibt es den 'Rail Passenger Council', der sich für die Verbraucherrechte einsetzt und in Streitfragen zwischen den 25 verschiedenen Bahngesellschaften und den Fahrgästen vermittelt", so Buyken. Weiter sei durch die "Association of Train Operating Companies (ATOC)" ein landesweiter Tarif und die Fahrplan- und Telefonauskunft aller Bahngesellschaften gewährleistet. In Deutschland unterliegen diese Aufgaben freiwilligen Vereinbarungen der Unternehmen. "Der gesetzliche Rahmen dafür stammt noch aus der Staatsbahnzeit und muss deshalb dringend den neuen Anforderungen angepasst werden", stellt Buyken fest. Als "großen Fehler" bezeichnete Pro Bahn die materielle Privatisierung des Netzes in Großbritannien. "Das war falsch und sollte in Deutschland auf keinen Fall wiederholt werden", meint Buyken. Inzwischen steht die britische Netzgesellschaft "Railtrack" unter staatlicher Zwangsverwaltung.

In Großbritannien sorgten vor allem die Unfälle der letzten Jahre und der Konkurs der an der Börse gehandelten Netzgesellschaft "Railtrack" für lebhafte Diskussionen. "Die wiederholt verheerenden Nachrichten werfen die Frage auf, ob es einen Zusammenhang zwischen der Privatisierung und den gravierenden Problemen gibt", so Ray Cunningham, stellvertretender Direktor der Deutsch-Britischen Stiftung. Er betonte, dass Deutschland sich nicht die einmalige Chance entgehen lassen dürfe, "durch eine fundierte und öffentliche Debatte aus den Erfahrungen der britischen Nachbarn zu lernen."

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), der Fahrgastverband Pro Bahn und die Deutsch-Britische Stiftung haben am Mittwoch in Berlin im Rahmen einer Fachtagung die Situation der Schiene in Deutschland und Großbritannien verglichen. Unter dem Motto "Derailed - Aus dem Gleis?" diskutierten Experten aus Deutschland und Großbritannien die aktuelle Situation. Dabei ging es vor allem um das Spannungsfeld zwischen Verbraucherschutz, Wettbewerb und Privatisierung. Die Experten erörterten auch mögliche Konsequenzen für die weitere Bahnprivatisierung in Deutschland.