Künast fordert strengere Kontrollen der Hersteller

Futtermittelskandal

Die europäische Futtermittelindustrie muss nach Überzeugung von Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) effektiver kontrolliert werden. Bei Lebensmittelskandalen gehe es immer wieder um die Futtermittelwirtschaft wie beim jüngsten Hormon-Fall. Dies zeige, dass die Kontrollen innerhalb der EU "nicht richtig" seien, betonte die Ministerin am Montag im ARD-"Morgenmagazin". Sie forderte: "Kontrolle muss her."

Der Skandal um hormonbelastetes Futtermittel übersteigt nach Einschätzung der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (Grüne) alle bisher da gewesenen Dimensionen. Höhn sagte am Montag im Deutschlandfunk, den jüngsten Informationen des Verbraucherschutzministeriums in Berlin zufolge seien allein 8500 Tonnen belastetes Mischfutter beziehungsweise 1300 Lieferungen Melasse und Mischfutter aus dem benachbarten Ausland an Agrarbetriebe und Futtermittelhersteller in Deutschland gelangt.

Über die Vermischung von Melasse und Futter potenziere sich das Problem noch, betonte die Ministerin. Betroffen seien vermutlich Hunderte Betriebe, wegen der Nähe zu den Niederlanden vor allem in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die Betriebe müssten nun überprüft und möglicherweise gesperrt werden. Höhn sprach von einer "enormen Dimension". Sie fügte hinzu, es gebe keinen Grund, vor dem Hormon Medroxy-Progesteron-Acetat (MPA) akute Angst zu haben.

Von einem sich ausweitenden Hormon-Skandal wollte Künast nicht sprechen. Es seien 1300 hormonbelastete Lieferungen nach Deutschland gegangen. Mindestens sechs Bundesländer seien betroffen. Die Futtermittel müssten nun ausgetauscht werden. Fleisch von betroffenen Betrieben könne nur vermarktet werden, wenn ein negativer Befund vorliege, betonte Künast.

Vor den anstehenden EU-Gesprächen zur Agrarreform in Brüssel äußerte sich die Ministerin optimistisch. Künast sagte, sie gehe "fröhlich nach Brüssel". Die dortigen Verhandlungen würden gelassen, "aber beinhart in der Sache" geführt. Künast sagte, die Vorschläge von EU-Agrarkommissar Franz Fischler seien von der Ausrichtung her richtig und gut. Auch was die ostdeutschen Agrarbetriebe angehe, orientiere sich die deutsche Seite an Fischler. Künast verteidigte die umstrittene Kappungsgrenze für Betriebszuschüsse und wies darauf hin, dass gestrichene Gelder nicht nur im jeweiligen EU-Land verblieben, sondern auch wieder in der selben Region eingesetzt werden könnten. Mit Blick auf die großen ostdeutschen Höfe betonte sie, wenn ein Betrieb bisher mehrere Millionen Euro Unterstützung bekomme, gebe es hier durchaus Rationalisierungsmöglichkeiten.

Fischler wies in derselben Sendung mit Blick auf die ostdeutschen Betriebe darauf hin, dass Gelder nicht verloren gingen. Direktzahlungen blieben in Deutschland. Es könne sogar sein, dass die Gelder in anderer Form auf die Ost-Höfe zurückflössen, wenn diese sich einer Qualitätsoffensive anschlössen. Fischler fügte hinzu, es gebe keine Alternative zu dieser umfassenden EU-Agrarreform.