Piloten wollten Unglück über dem Bodensee offenbar verhindern

Unfall-Untersuchungen

Die Besatzungen der über dem Bodensee zusammengestoßenen Flugzeuge haben die Kollision offenbar noch kurz vor dem Unglück verhindern wollen. Die Aufzeichnungen der Flugschreiber und Stimmrekorder ließen diesen Rückschluss zu, teilte das Bundesamt für Flugunfalluntersuchung (BFU) am Freitag in Braunschweig mit. Die Auswertung der Flugdatenschreiber habe keine Erkenntnisse über mögliche technische Mängel an den Maschinen ergeben. Bei dem Unglück waren am 1. Juli 71 Menschen ums Leben gekommen.

Die vorläufigen Untersuchungen bestätigten weitgehend die bisherigen Feststellungen, heißt es in dem Zwischenbericht der BFU. Wenige Sekunden vor dem Crash sollen die Besatzungen der russischen Tupolew und der Boeing jeweils das andere Flugzeug erkannt und durch "entsprechende Flugmanöver" versucht haben, eine Kollision zu vermeiden. Kurz zuvor hatte die Schweizer Flugsicherung skyguide die Piloten der Tupolew jedoch angewiesen, schnell zu sinken. Diese Anweisung wurde von den Piloten den Angaben des BFU zufolge nicht bestätigt.

Die Kollisionswarngeräte TCAS gaben den Piloten unterschiedliche Ausweichkommandos. Die Boeing sollte sinken und die Tupolew steigen. Während die Boeing dem TCAS-Kommando folgte, blieb die Tupolew zunächst auf ihrer Reiseflughöhe. Erst nach einer neuen Anweisung aus Zürich leitete die russische Maschine den Sinkflug ein. Exakt um 23:35:32 Uhr kollidierten beide Maschinen rechtwinklig.