Nur 1500 Gäste bei der Reminders-Day-Gala

Vergessen ist ansteckend

Es sollte ein rauschendes Fest werden. Zahllose, in lange rote Abendkleider gehüllte Hostessen empfingen die Gäste der zweiten Reminders-Day-Gala am Samstagabend in Berlin. Auf roten Barhockern an roten Stehtischen konnten es sich die Besucher in der von Musik des an Aids gestorbenen Queen-Sängers Freddy Mercury erfüllten Treptower Arena bequem machen. Bereits am Eingang wurde der "Red Ribbon", die Anstecknadel als Symbol für Solidarität mit HIV-positiven und aidskranken Menschen, verteilt. Rot war die Farbe des Abends. Sie steht nach Auskunft der Veranstalter für Liebe, Wut und Leidenschaft. Der Stimmungsfunke wollte auf die Gäste jedoch nicht so recht überspringen.

Um 21.00 Uhr eröffnete Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) vor nur halb gefüllter Halle die Aids-Benefizgala. Das Vergessen gehe um, sagte die in einen dunklen Hosenanzug gekleidete Schirmherrin der Aktion "Vergessen ist ansteckend". Mehr als die Hälfte aller HIV-Neuinfizierten sei zwischen 15 und 24 Jahre alt. Es müsse Lust gemacht werden auf Verantwortung beim Sex. "Kein Kondom ist eindeutig kein Akt der Liebe", betonte Künast.

Die hohe Zahl von jugendlichen HIV-Infizierten hatten die Veranstalter in diesem Jahr zum Anlass genommen, ein junges Programm für die Gala zu gestalten. Auf zwei Bühnen traten Künstler wie die Soulgruppe Manumatei und R&B-Sängerin Joy Denalane auf. Durch die Veranstaltung führten Sat.1 Moderatorin Jessica Witte-Winter und KissFM-Moderator Cäsar, der mit betont lockeren Sprüchen zu überzeugen versuchte.

Höhepunkt des Abends sollte die Verleihung des Reminders Day Awards für besonderes Engagement im Kampf gegen Aids an die Schauspielerin Judy Winter sein. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) betonte in seiner Laudatio, die Künstlerin sei ein Vorbild und ermutige durch ihren Einsatz auch andere zum Handeln. Doch auf die Preisträgerin selbst warteten die Anwesenden vergebens. Die durch ihre Rolle als Marlene bekannte Judy Winter war in Portugal an einer Fischvergiftung erkrankt. Stellvertretend für sie nahm ihr Sohn Francis die Auszeichnung entgegen.

Prominenz war an diesem Benefizabend überhaupt wenig zu sehen. In der VIP-Lounge mischte sich die Berliner Schauspielerin Barbara Schöne unter die Gäste und ARD-"Tatort"-Kommissarin Ulrike Volkerts plauderte ein wenig mit Moderator Cäsar. Die Hauptfotoattraktionen jedoch waren Ministerin Künast und der leger in ein kurzärmliges orange-weißes Hemd gekleidete Wowereit.

Erwartet hatten die Veranstalter 3000 Gäste. Gekommen waren etwa 1500. Man habe mit der Schlössernacht in Potsdam und der Fashion Show auf dem Kudamm eine große Konkurrenz gehabt, begründete die Geschäftsführerin der Reminders Day GmbH, Sonja Blank, das im Vergleich zum Vorjahr gesunkene Interesse an der Benefizgala. Die Veranstalter wollten das Thema Aids wieder mehr ins öffentliche Bewusstsein rücken. Betrachtet man die Resonanz der Veranstaltung bei den Hauptstädtern, scheint ihnen dies nicht ganz gelungen zu sein.