Hochwasserschäden bei der Bahn mehr als eine Milliarde Euro

Auch Agarwirtschaft stark betroffen

Das bereits kurz nach Beginn des neuen Jahrhunderts als Jahrhundertflut bezeichnete Hochwasser hat nach Angaben von Bahnchef Hartmut Mehdorn Infrastrukturschäden von mehr als einer Milliarde Euro verursacht. Auch Agrarministerin Renate Künast (Grüne) rechnet mit Schäden in Millionenhöhe. Rund vier Prozent der Getreideernte dürften vernichtet sein.

Mehdorn sagte nach einem Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (beide SPD), dass mit der Beseitigung der Schäden bereits begonnen wurde. Sie werde zwei bis zweieinhalb Jahre dauern. Schröder kritisierte den Streit der vom Hochwasser betroffenen Länder über die Verteilung der Mittel. Er riet den Beteiligten, zunächst die vorhandenen Finanzhilfen zu verteilen und nicht mit überzogenen Forderungen die Solidarität der Länder untereinander zu gefährden.

Mehdorn sagte zur Schadenbilanz der Bahn: "Die Gesamtschadensumme, die wir bis gestern Abend mit allen Krisenstäben haben, ist etwas über eine Milliarde Euro." Sie ergebe sich aus Schäden an der Infrastruktur und an den Bahnhöfen. Davon werde ein Teil von Versicherungen getragen werden müssen. Noch in diesem Jahr werde die Bahn Bauaufträge von rund 300 Millionen Euro zur Behebung der Hochwasserschäden und zur Wiederherstellung des Netzes vergeben, teilte der Bahnchef mit.

Bodewig betonte, keines der Schienenprojekte Deutsche Einheit werde wegen der Jahrhundertflut gestrichen. Allerdings müsse neu über die Prioritäten nachgedacht werden. Möglicherweise würden einzelne Projekte zeitlich geschoben, bekräftigte er. Für die Beseitigung der Infrastrukturschäden stünden im Fonds "Aufbauhilfe" eine Milliarde Euro zur Verfügung, davon 650 Millionen Euro für die Schienenwege. Mehdorn dankte für schnelle und unbürokratische Hilfe der Regierung und der EU. Elf Bahnstrecken seien noch gesperrt, 200 Bahnhöfe und Haltepunkte in Mitleidenschaft gezogen. Die Umsatzverluste durch das Hochwasser bezifferte Mehdorn auf etwa 90 Millionen Euro.

In der Landwirtschaft gebe es auf 100 000 Hektar oder 1,5 Prozent der Getreideflächen einen totalen Ernteausfall, sagte Ministerin Künast. Im Vergleich zum langjährigen Mittel werde der Ertrag in diesem Jahr um vier Prozent geringer ausfallen. Gegenüber dem Rekord des Vorjahres mit 49,7 Millionen Tonnen betrage der Rückgang sogar 12,6 Prozent. Besonders betroffen seien Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Das finanzielle Ausmaß der Hochwasser-Ernteschäden bezifferte Künast auf voraussichtlich 267 Millionen Euro. Darin seien auch die Verluste an Vieh und Futter enthalten. Ein Großteil davon seien Getreideausfälle.

Die ursprüngliche Befürchtungen des Bauernverbandes über Schäden von zwei Milliarden Euro seien "im Eifer des Gefechts" aufgekommen, fuhr Künast fort. Mittlerweile habe der Verband diese Zahlen deutlich nach unten korrigiert und liege sogar unter den offiziellen Schätzungen. Künast hofft, dass diese Schätzungen bei der exakten Schadenaufnahme weiter zurückgehen. Steigende Verbraucherpreise durch das Hochwasser befürchtet die Ministerin nicht.

Für eine erste und schnelle Hilfe stehen nach ihren Angaben Gelder von Bund, Ländern und Europäischer Union in Höhe von 141 Millionen Euro bereit. Hinzu würden demnächst Hilfen in dreistelliger Millionenhöhe kommen, die eigentlich erst für nächstes Jahr geplant gewesen sein. Grund sei, dass in der ersten Schätzung für den Agrarbereich nicht die Schäden an Gebäuden, Anlagen und Ausrüstungen enthalten waren.