Saatgut-Banken sind in höchster Gefahr

Weltgipfel kümmert sich nur um Agrar-Subventionen

Die Welt-Gen-Banken sind nach Aussagen von internationalen Wissenschaftlern in höchster Gefahr. In vielen Ländern fehlt das Geld, die Samenbanken von den wichtigen Nutzpflanzen ernsthaft am Leben zu erhalten, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner Online-Ausgabe vom Freitag. Mit der Schaffung eines Global Conservation Trusts soll das Problem international gelöst werden. 260 Mio. Dollar werden dafür veranschlagt.

"Viele der Weltsaatgutbanken sind in einem extrem schlechten Zustand", so Geoff Hawtin, Direktor des International Plant Genetic Resources Insititute in Rom. Das Institut wird von der Weltbank mitfinanziert. Insbesondere in Ländern der Dritten Welt müssten mehr als die Hälfte der Samen der Banken "regeneriert" werden, so der Forscher.

Um eine Saatgutbank aufrecht zu erhalten, müssen die Samen alle paar Jahre zur Aussaat gebracht werden, um sie dann erneut ernten zu können. Meist passiert das nicht, weil Regierungen die nötigen finanziellen Mittel nicht aufbringen wollen, berichten Forscher des Imperial College aus London.

Erst vergangenen November ist eine der wichtigsten Samenbanken des Südpazifik in Fidschi völlig zerstört worden. Durch einen Ausfall der uralten Kühlgeräte gingen über 200 unwiederbringliche Wildreis-Sorten verloren. Jede dieser Sorten hätte nach Ansicht der Wissenschaftler zur Schaffung neuer Kreuzungen und dadurch im Kampf gegen Hunger eingesetzt werden können.

"Saatgut-Banken sind der Motor für Innovationen in der Landwirtschaft", so MS Swaminathan, ein Spezialist für Pflanzenzucht und Leiter der Swaminathan Foundation in Madras/Indien. "Wenn die wertvollen Samen nicht geschützt werden, ist es nur eine Frage von wenigen Jahrzehnten, bis herkömmliche Sorten durch Schädlinge und Krankheiten dezimiert werden", so der Forscher. Hawtin forderte in diesem Zusammenhang, dass die Saatgutbanken unbedingt frei von Verunreinigungen - auch von genetisch manipulierten Samen - bleiben müssen. Nach Angaben von Hawtin gibt es bereits das Angebot von zehn Mio. Dollar aus der Schweiz und 20 Mio. Dollar aus den USA.

Zahlreiche Wissenschaftler haben kritisiert, dass die Forschung an Samen beim Earth Summit keine große Rolle spielt. Die Debatten hätten sich mehr oder weniger um Zahlungen von Agrarsubventionen für Bauern in den reichen Ländern gedreht.