BUND fordert Überflugverbot für Atomkraftwerke

"Seit dem 11.September 2001 nur heiße Luft und Aktionismus"

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht schwere Versäumnisse der zuständigen Behörden in der Sicherung von Atomkraftwerken gegen Flugzeugunfälle bzw. gezielte terroristische Anschläge. Nach Ansicht der baden-württembergischen BUND-Landesvorsitzenden Brigitte Dahlbender müssen diese enormen Gefahrenquellen unbedingt in die gegenwärtigen Staatsvertragsverhandlungen über den Flugverkehr am Hochrhein mit einbezogen werden: "Nach dem 11. September 2001 gab es in Sachen Sicherheit nur Versprechungen, heiße Luft und Aktionismus. Nach dem Unglück von Überlingen lässt sich die Bevölkerung jedoch nicht länger mit Beruhigungsrhetorik abspeisen."

BUND Regionalgeschäftsführer Axel Mayer brachte nach dem Flugzeugabsturz am Bodensee in einem Schreiben an den Schweizer Bundesrat Moritz Leuenberger und den Leiter des Verkehrsreferats im Regierungspräsidium Freiburg, Herrn Multhoff, die Sorgen um die Gefährdung der grenznahen AKW`s Fessenheim, Leibstadt, Beznau und den Atomanlagen in Würenlingen durch den zunehmenden Flugverkehr und mögliche terroristische Akte zum Ausdruck.

Die Antwort des Regierungspräsidiums Freiburg zeigt nach Ansicht des BUND, dass aus den Anschlägen vom 11. September und dem Flugzeugabsturz am Bodensee nichts gelernt wurde. In Deutschland habe man mögliche Überflugverbote prüfen wollen, und Frankreich wollte sogar den Luftraum über Atomanlagen durch Boden-Luft Raketen überwachen lassen. Davon sei nicht mehr die Rede. Der BUND fordert die Landesregierung auf, Druck auf die Nachbarländer Schweiz und Frankreich zu machen.

"Eine aktuelle Risikoanalyse für den Flughafen Basel-Mulhouse durchzuführen ohne das wenige Kilometer entfernte AKW Fessenheim einzubeziehen, ist ein Skandal", so Axel Mayer vom BUND Südlicher Oberrhein. Sicher sei, dass die Atomanlagen der Region einen Flugzeugabsturz (Aufprall eines Triebwerks auf das Reaktorgebäude und die AKW-nahen Zwischenlager) nicht überstehen würden. Bei der Freisetzung von Teilen des radioakiven Inventars eines der grenznahen AKWs in Fessenheim, Leibstadt, Beznau oder der Atomanlagen in Würenlingen müssten je nach Windrichtung und Wetterlage Gebiete bis zu 150 Kilometer um die Atomanlage, also z.B. weit in den Raum Stuttgart hinein, schnell und dauerhaft evakuiert werden. "Eine Katastrophe unglaublichen Ausmaßes im dicht besiedelten Mitteleuropa. Gerade die Uralt-Reaktoren in Beznau und Fessenheim bereiten uns hier besondere Sorgen", so Mayer.

Ein Überflugverbot darf allerdings nach Ansicht des BUND nicht nur die grenznahen AKW´s betreffen. "Was wir von unseren europäischen Nachbarn fordern, muss selbstverständlich auch im eigenen Land gelten", sagt die BUND Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender.