Fast 100 tote Seehunde an ostfriesischer Küste gefunden

Siebenmal Seehundstaupe-Virus nachgewiesen

Die Zahl der an der ostfriesischen Küste tot angeschwemmten Seehunde ist weiter gestiegen. Seit Mitte Juli wurden an der Küste und auf den Inseln 95 verendete Tiere registriert, wie die Sprecherin der Bezirksregierung Weser-Ems, Herma Heyken, am Mittwoch sagte. Es werde befürchtet, dass die Tiere dem Seehundstaupe-Virus zum Opfer gefallen sind. Bei sieben toten Tieren hatte die Virologie der Tierärztlichen Hochschule in Hannover das gefährliche Virus nachgewiesen. Von einer Staupe-Epidemie in der deutschen Nordsee könne noch nicht gesprochen werden, sagte der Leiter der Seehundaufzuchtstation Norddeich, Peter Lienau. Weiterhin gehe jedoch die Angst vor einem Massensterben um.

Als mögliche Erklärung für die Virus-Ausbreitung gelten arktische Sattelrobben, die mit dem Erreger infiziert wurden. Während ihrer Wanderungsbewegungen im Frühjahr haben sie sich Experten zufolge möglicherweise die im Wattenmeer heimischen Seehunde infiziert. Um genauere Aufschlüsse zu erhalten, müssten infizierte Totfunde aus nördlichen Breiten virologisch mit den Staupe-Fällen aus dem niedersächsischen Wattenmeer verglichen werden.

Die Seuche hatte bereits 1988 die Seehund-Population in der Nord- und Ostsee halbiert. Ursache war das bis dahin unbekannte "Phocine Distemper Virus" (PDV), das dem Staupe-Virus bei Hunden ähnelt. Der Erreger schwächt das Immunsystem der infizierten Tiere. Sekundärerkrankungen wie Parasitenbefall führen schließlich zum Tod.