Greenpeace-Jugendliche auf Protest-Tour zu Botschaften

Politiker im Schlafanzug auf Berlins Straßen

In einem ungewöhnlichen Protestzug zogen rund 30 Greenpeace-Jugendliche am Donnerstag vormittag als verschlafene Politiker verkleidet durch Berlin zu den Botschaften von USA, Kanada, Australien, Südafrika, Malaysia und Finnland. Angeführt wurde die Karawane der Politiker, die Schlafanzüge und Kopfkissen trugen, von den "Regierungschefs" der USA, Kanadas und Australiens, die auf Stelzen liefen und mit einer Erdkugel Jo-Jo spielten. Anlässlich des bevorstehenden Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg protestierten die Jugendlichen dagegen, dass die Regierungschefs der Teilnehmerstaaten den globalen Umweltschutz nicht ernst nehmen.

Den Botschaften überreichten die Demonstranten ihre Forderungen für den Weltgipfel. Die Regierungen sollen sich auf verbindliche Abkommen über Ziele, Zeitrahmen und finanzielle Mittel zur Lösung der globalen Umweltprobleme einigen. Vor allem die Regierungen der Länder USA, Kanada und Australien blockieren immer wieder verbindliche Abmachungen zum Klima- und Umweltschutz. Begleitet von heimatlos gewordenen "Urwaldtieren" zogen die Jugendlichen auch zu den Botschaften von Malaysia und Finnland. In diesen Ländern werden Urwälder weiterhin ungebremst vernichtet.

"Zehn Jahre lang haben die Regierungschefs es versäumt, die Weichen für einen echten Umweltschutz zu stellen," sagt der 16-jährige Justus Rollin aus Schwerin. "Klima geschützt? Artensterben und Urwaldzerstörung gestoppt? Alles Fehlanzeige! Der Weltgipfel in Johannesburg muss die überfälligen Entscheidungen treffen - wir haben keine Ersatzerde in der Hosentasche, unsere Zukunft steht auf dem Spiel!"

Die Greenpeace-Jugendlichen prangern an, dass Länder wie die USA, Kanada und Australien ihre Interessen rücksichtslos durchsetzen. "Wir Jugendlichen wollen verhindern, dass dieser Weltgipfel wieder nur mit schönen Worten statt konsequentem Umweltschutz endet. Kein Land und kein Konzern darf sich in Johannesburg aus der Verantwortung stehlen", erklärt die 15-jährige Friedrike Metternich aus Berlin. Die Greenpeace-Jugendlichen fordern, dass Unternehmen in Zukunft stärker für die von ihnen verursachten Schäden in die Verantwortung genommen werden. Ölkonzerne wie Esso müssten so bei einem Ölunfall auf jeden Fall für die von ihnen verursachten Schäden haften.

Seit dem Erdgipfel von Rio de Janeiro 1992 ist der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid weltweit um neun Prozent angestiegen - trotz beschlossener Weltklima-Konvention. Auch für die Urwälder - Schatzkammern der Artenvielfalt, Heimat Tausender Menschen - hat sich die Situation in den letzten zehn Jahren dramatisch zugespitzt: Jedes Jahr gehen 15 Millionen Hektar Urwald unwiederbringlich verloren - eine Fläche, fast halb so groß wie Deutschland.