Erneut Vogelsterben auf Rügens Nonnensee

Natürliches Nervengift

Auf Rügens Nonnensee nahe der Stadt Bergen spielt sich erneut ein Naturdrama ab. Nach Auskunft des zuständigen Umweltamtes sind in den vergangenen Tagen mindestens 150 tote Vögel auf dem sehr flachen Gewässer entdeckt worden. Spezialisten gehen davon aus, dass sich das Vogelsterben in den nächsten Tagen fortsetzen wird. Bereits vor einem Jahr waren auf dem angestauten Wiesensee rund 500 Wasservögel durch Ersticken verendet.

Untersuchungen zufolge starben die Tiere an einem Nervengift, das innerhalb von Stunden Lähmungen in Muskelgewebe und Lunge hervorruft. Das Gift entstehe durch Bakterien, die sich bei starker Sonneneinstrahlung in seichten und schlickigen Gewässern ausbreiteten, sagte ein Mitarbeiter der Umweltbehörde. Der etwa 75 Hektar große und sehr flache Nonnensee heize sich im Sommer an den sumpfigen Randbereichen überdurchschnittlich auf.

Am stärksten betroffen von der so genannten Botulismus-Krankheit sind Schnatterenten, die ihre Nahrung im Schlick unter der Wasseroberfläche suchen. Aber auch Stockenten, Schnepfen- und Greifvögel können an dem Nervengift zugrunde gehen. Ein wirksames Gegenmittel gibt es nicht. Bei Säugetieren kann es zu Erbrechen und Lähmungen kommen.

Nach Ansicht der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) ist die Botulismus-Krankheit kein Anzeichen für eine zerstörte Umwelt. Zu dieser "natürlichen Katastrophe" könne es kommen, wenn Massen von Vögeln ein flaches Gewässer belagerten, sagte ein Sprecher. Der Nonnensee gilt als eines der bedeutendsten Rast- und Brutgebiete im Nordosten. Über das Jahr halten sich dort mehr als 100.000 Singvögel, Gänse, Enten und Kraniche zur Rast oder Mauser auf.