Greenpeace: Größter Transport in der Geschichte unterwegs

Castor-Transporte

Transporte mit Atommüll aus fünf norddeutschen Kernkraftwerken sind am Donnerstagmorgen ohne Zwischenfälle gestartet. Züge von jeweils drei Behältern mit abgebrannten Brennelementen verließen die Atomkraftwerke Stade und Brunsbüttel in Niedersachsen sowie Krümmel in Schleswig-Holstein. Nach Angaben des Bundesgrenzschutzes (BGS) gab es keine Störungen.

Die drei Züge wurden auf dem Rangierbahnhof in Maschen bei Hamburg zusammengekoppelt. Kurz nach 6.00 Uhr fuhr der Zug in Richtung Süddeutschland weiter. Bei Münster sollten Wagen mit zwei weiteren Behältern aus dem AKW Unterweser in Niedersachsen angekoppelt werden. Ein Atommüll-Behälter aus dem niedersächsischen AKW Brokdorf war bereits am Mittwoch ungehindert auf dem Straßenweg in das Kernkraftwerk Brunsbüttel transportiert worden.

Ein Großaufgebot an Beamten von Polizei und Bundesgrenzschutz (BGS) war in der Nacht zu Donnerstag zur Sicherung der Züge im Einsatz, wie ein BGS-Sprecher sagte. Lediglich in Buchholz und in Bergedorf bei Hamburg habe es zwei Mahnwachen gegen den Atommülltransport mit insgesamt etwa 15 Demonstranten gegeben. Diese seien aber friedlich verlaufen.

Die elf Atommüll-Behälter aus Norddeutschland sind für die Wiederaufbereitungsanlagen La Hague in Frankreich und Sellafield in Großbritannien bestimmt. Vor der deutsch-französischen Grenze sollen die Wagen mit drei Transportbehältern aus Neckarwestheim in Baden-Württemberg und zwei Behältern aus dem Kraftwerk Grafenrheinfeld in Bayern zusammengekoppelt werden. Die 16 Atommüllbehälter wären nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace der größte derartige Transport, der jemals durch Deutschland rollte.

Aus Protest gegen die Brennelemente-Entsorgung hatten Atomkraftgegner in Brunsbüttel am Mittwoch die Befestigung der Bahngleise auf einer Länge von 15 Metern gelockert. Greenpeace-Aktivisten demonstrierten vor dem Atomkraftwerk Krümmel. Auf die AKW-Fassade projizierten sie den Slogan: "Nationale

Verantwortung heißt, seinen Nachbarn keinen Atommüll vor die Haustür zu kippen". Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) handle verantwortungslos, wenn er das deutsche Atommüllproblem in Nachbarländer verschiebe, betonte Greenpeace-Energieexperte Sven Teske. Eine Studie für das Europäische Parlament belege, dass die Wiederaufbereitung die Umwelt "jährlich radioaktiv mit der Menge eines kerntechnischen Unfalls verseucht". Daher müssten alle Atomtransporte sofort gestoppt und die Wiederaufbereitung weltweit beendet werden.

Nach Plänen der rot-grünen Bundesregierung und der Energieunternehmen sollten bis zum Jahr 2005 noch rund 400 Atommüllbehälter mit hochradioaktiven Brennelementen nach La Hague und Sellafield transportiert werden, kritisierte Teske.