Bertelsmann-Chef bedauert Verhalten des Konzerns im Dritten Reich

"Widerstandsverlag" war Lüge

Der deutsche Medienkonzern Bertelsmann hat das Verhalten des Unternehmens während der Nazi-Zeit bedauert. Konzernchef Gunter Thielen äußerte im Rahmen der Präsentation des Berichts der Unabhängigen Historischen Kommission (UHK) "aufrichtiges Bedauern" im Namen des Mediengiganten, berichtet die New York Times am Dienstag. Die Ergebnisse der UHK unter dem Vorsitz des Historikers Saul Friedländer sind in Form des 794 Seiten umfassenden Berichts "Bertelsmann im Dritten Reich" erschienen, der ab Dienstagabend auf der Frankfurter Buchmesse vorliegt. Demnach ist die "Legende, C. Bertelsmann sei als Widerstandsverlag geschlossen worden, nicht aufrechtzuerhalten". Diese diente vielmehr dazu, nach 1945 von den Besatzungsmächten rasch eine neue Verlagslizenz zu erhalten.

Die Arbeit der UHK wurde 1998 von Ex-Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff in Auftrag gegeben. Bereits im Jahr 2000 wurde ein Zwischenbericht präsentiert, der unter anderem die fördernde Rolle des Verlegers Heinrich Mohn gegenüber der SS sowie das erfolgreiche Wehrmachtsgeschäft thematisierte. Der Endbericht zeichnet in elf Kapiteln anhand von umfangreichen, bisher unbekannten Archivmaterial ein differenziertes Bild des Verlagshauses während der Nazi-Zeit. In Deutschland habe das Unternehmen zwar keine Zwangsarbeiter beschäftigt, möglicherweise jedoch in den baltischen Staaten Litauen und Lettland. Der Verlag sei während des Dritten Reichs gewinnorientiert gewesen, was auch der Grund für die Schließung des Unternehmens im Jahr 1944 gewesen sei. Zuvor war C. Bertelsmann aber durch "Kriegsbücher" von einem theologischen Verlag zum größten Buchproduzenten der Wehrmacht geworden und damit ein wesentliches Rad in der NS-Kriegspropaganda.