Sozialverband fordert Rentenbeitrag der Industrie

Streitpunkt Renteneintrittsalter

Der Sozialverband VdK weist Forderungen der Wirtschaft nach einer weiteren Beteiligung von Rentnern an den geplanten Einsparungen der Bundesregierung scharf zurück. VdK-Präsident Walter Hirrlinger betonte, dass die Renten bereits im Jahre 2000 lediglich Höhe der Inflationsrate von 0,6 Prozentpunkte gestiegen seien. "Die Rentner bringen bereits ihr Opfer", so Hirrlinger, indem der Grundsatz, dass die Renten den Löhnen folgen, im Jahre 2000 kurzerhand vom Arbeitsminister außer Kraft gesetzt worden sei. Nun solle erst einmal die Industrie selbst mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Verpflichtungen zur Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme nachkommen, sagte Hirrlinger der Chemnitzer "Freien Presse". Es sei notwendig, Arbeitnehmer auch über ein Alter von 50 Jahren hinaus einzustellen. Wenn 60 Prozent der Betriebe keine Mitarbeiter mehr über 60 Jahre beschäftigten, "dann ist das höchste Zeit für einen Kurswechsel." Notwendig sei vielmehr eine Erhöhung des Renteneintrittsalters von derzeit knapp 60 Jahren auf 65 Jahre. Erst dann werde es zu einer spürbaren Senkung der Lohnnebenkosten kommen.

Nach Einschätzung des VdK ist es unzutreffend, dass die Rentner keine Einschränkungen zu befürchten haben. Es sei festzustellen, dass die 18 Millionen Rentnerinnen und Rentner als erste zur Kasse gebeten worden waren, als es ans Sparen ging. Wenn etwas bereits Gesetz sei, werde das als selbstverständlich angesehen, auch wenn alle heutigen und künftigen Rentner in den nächsten 15 Jahren betroffen seien.

So hätten die Rentner im Jahr 2000 nur eine Rentenanpassung in Höhe der Inflationsrate von 0,6 Prozentpunkte erhalten. Der Grundsatz, dass die Renten den Löhnen folgen, sei damals kurzerhand vom Arbeitsminister außer Kraft gesetzt worden. Seitdem folgten die Renten nicht mehr den Löhnen, sondern würden nach der 2001 eingeführten Rentenformel berechnet.

"Nach der Rentenreform werden die Rentenanpassungen ab 2003 um 0,5 Prozentpunkte pro Jahr geringer ausfallen und zwar für die nächsten acht Jahre", erläutert Hirrlinger die absehbare Entwicklung. "Danach sind es dann 0,25 Prozentpunkte jährlich. Diese Kürzungen zu Lasten der Rentner sind bereits in die Rentenformel eingearbeitet. Auch daran scheint sich nur ein Jahr später kaum noch jemand zu erinnern."

Der VdK verlangt vor diesem Hintergrund nun einen Beitrag der Beitragszahler.