Celler Unternehmen weist Vorwurf über Lieferungen für Giftgasfabrik zurück

Ersatzteile nach Libyen

Im Ermittlungsverfahren gegen ein Unternehmen aus dem niedersächsischen Celle wegen angeblicher Lieferungen für eine Giftgasfabrik in Libyen bestreitet die betroffene Firma die Vorwürfe. "Wir haben lediglich Ersatzteile für eine Wasseraufbereitungsanlage geliefert", sagte ein Sprecher der Berkefeld-Filter Anlagenbau GmbH am Montag in Celle. Die Anlage habe ursprünglich in Tripolis gebaut werden sollen. Dass sie dann in Rabta aufgebaut wurde, habe ein Ingenieur erst später bei einem Vor-Ort-Termin festgestellt. Zu den Vorwürfen kann sich die Firma in den kommenden Tagen äußern. Der Industriebetrieb sei aufgefordert worden, Stellung zu nehmen, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Wigger in Lüneburg. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen früheren Geschäftsführer und einen Techniker des Unternehmens. Bei einer Verurteilung drohten ihnen mindestens zwei Jahre Haft, sagte Wigger und bestätigte zugleich einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".

Demzufolge hatte die Firma 1999 eine in Rabta installierte Filteranlage in Stand gesetzt und Wasser für die Chemikalienproduktion gereinigt. Der Export im Wert von 510.000 Mark (260.000 Euro) war dem Bericht zufolge vom Bundesausfuhramt nur deshalb genehmigt worden, weil die Libyer als Empfänger der Ersatzteile eine Pharmafirma bei Tripolis genannt hatten. Vertreter der deutschen Botschaft seien eigens zu der Fabrik gefahren, um sich zu überzeugen, dass dort keine Chemiewaffen produziert werden.

Als ein Montageleiter der Firma anreiste, erklärten ihm die Libyer hingegen, die Ersatzteile müssten in Rabta installiert werden. Über die Verlegung des Standortes nach Rabta habe die Firma sofort die deutschen Behörden in Kenntnis gesetzt, sagte der Unternehmenssprecher.

Es sei "verwunderlich", dass der Sachverhalt jetzt wieder auf den Tisch komme. 95 Prozent des Export-Geschäfts habe aus so genannten Ionen-Austauscher-Harzen bestanden, wie seit langem für die Wasseraufbereitung verwendet würden. Das Material sei auf dem "technischen Level einer Straßenbahn".