"Saure Gurke 2002" geht nach Bayern

Für den frauenfeindlichen Beitrag des letzten Fernsehjahres

"Männer - das diskriminierte Geschlecht?" - diese im Januar ausgestrahlte Sendung des BR-Magazins "Familienzeit" wird mit der Sauren Gurke 2002 "gekrönt". Seit 1980 wird der Wanderpreis jährlich zum Ausklang des Herbsttreffens der Medienfrauen von ARD und ZDF an einen frauenfeindlichen Beitrag des letzten Fernsehjahrs vergeben - und noch ist er aktuell, wie das Beispiel zeigte. Voraus schickten die Progammbeobachterinnen, dass sich auch erfreuliche Entwicklungen vollzogen haben und Sportkollegen zunehmend fair über Athletinnen berichten. Im Unterschied zu früher sei kaum noch die Rede vom "optischen Leckerbissen" oder dem "ganz besonders fröhlichen Mädel, in das man sich verlieben muss". In den Politik-Redaktionen ließe das Umdenken allerdings noch auf sich warten. Vor allem in weltpolitischen Krisensituationen gelänge es den Kollegen, das Männergespräch einseitig auf Waffenpotentiale und stereotype Feindbilder zu focussieren.

Während der Abschlussveranstaltung am vergangenen Samstag im Potsdamer Nikolaisaal bilanzierten die Teilnehmerinnen weitere Ergebnisse von drei arbeitsintensiven Tagen. In Diskussionen und Workshops ging es um Bedingungen für die Gleichstellung von Männern und Frauen in Medienberufen, um Probleme des Arbeitsalltags, Kommunikations- und Fortbildungsbedarf. Das Anliegen, in höchsten Führungspositionen künftig mehr Frauen zu finden, wurde auch mit Blick auf den neu entstehenden Rundfunk Berlin-Brandenburg formuliert: An dessen Spitze wünschten sich die Medienfrauen eine Intendantin. Die einstimmig gefasste Empfehlung soll den Mitgliedern des noch zu etablierenden RBB-Rundfunkrates übergeben werden.

Preisträgerstück ist der Beitrag "Männer - das diskriminierte Geschlecht?" vom 22. Januar 2002 aus der Reihe "Familienzeit", Redaktion: Gerd Niedermayer, Moderation: Wolfgang Binder, das vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wurde.

Entlang des Buches "Frauen und Kinder zuerst" von Paul-Hermann Gruner, stellt die Sendung dar, dass "Jungen ins Hintertreffen geraten" und Männer "auf der Verliererstraße" sind. Tatsache ist: Mädchen machen Abitur, Frauen haben eine gute Ausbildung und sind im Beruf erfolgreich. Jungen hingegen sind die schulischen Sorgenkinder und Männer verlieren ihre Jobs in der Produktion.

Schuld an diesen gesellschaftlichen Entwicklungen ist - so sagt uns die Sendung - "der organisierte Feminismus".

Die Jury-begründete ihre Entscheidung mit dem Ton für die Sendung: Sie sei eine Collage aus Bildern von Models und Schminkszenen, von Bomberstaffeln, Dominas und Müllmännern. Der zentrale Satz dazu: "Sind die subtileren Waffen der Frau weniger tödlich als die der Männer?" Die Sendung ist bestimmt vom Wortlaut des Buchautors als Studiogast und einseitig ausgewählte "Experten". Gegenfragen oder Kritik fanden nicht statt.