Autoritäre Staaten behindern Datenschutz-Tool AN.ON

Datenschutz

Deutsche Firmen und Organisationen mit ausländischen Dependancen nutzen für ihre Internetrecherchen offenbar zunehmend das im AN.ON-Projekt entwickelte Anonymitätstool "JAP". Mit diesem Tool ist es möglich, auch aus Ländern mit beschränktem Internetzugriff freien Informationszugang zu erlangen. Unterdessen wurde bereits vereinzelt der Zugriff auf die Anonymitätsserver aus solchen Ländern, die über keine demokratische Staatsform verfügen, unterbunden. Darauf hat nunmehr das Projekt AN.ON seinerseits reagiert. In einigen Fällen konnte inzwischen eine Lösung gefunden werden, um die Sperrung des Zugriffs auf die Anonymitätsserver zu umgehen.

Die Behinderung von AN.ON durch undemokratische Staaten werfe natürlich die Frage auf, "ob die Anonymisierung der Anonymisierung möglich ist", meint Dr. Hannes Federrath, Leiter der JAP-Entwicklung an der FU Berlin und TU Dresden. Der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz, Dr. Helmut Bäumler, erklärte, der Vorgang zeige zweierlei: "Fortschrittliche Datenschutztechnologien sind nicht nur für den Schutz der Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger notwendig, sondern auch für die Wirtschaft von zunehmender Bedeutung. Zum anderen ist bezeichnend, dass der Anonymisierungsdienst AN.ON vornehmlich undemokratischen Staaten ein Dorn im Auge ist. Sie fürchten die Autonomie der Internetnutzer und sehen ihre Chancen schwinden, diese auf Schritt und Tritt zu überwachen."

AN.ON ist ein vom Bundeswirtschaftsministerium gefördertes Modellprojekt, das von der TU Dresden, der FU Berlin und dem Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein gemeinsam betrieben wird.