Frühjahrs-Jagd auf Grizzlybären in Kanada beginnt mit vielen deutschen Jägern

Wildtiere

Anfang April wird in British Columbia (BC, Kanada) die Jagdsaison auf den Grizzly, den nordamerikanischen Braunbären, wieder beginnen - allen Protesten von Wissenschaftlern und Naturschützern zum Trotz. Hunderte Bären werden in BC jährlich von Trophäenjägern erlegt. Deutsche nehmen hierbei nach US Amerikanern eine traurige Spitzenposition ein. Experten befürchten, dass die Jagd die Grizzlybestände unwiderruflich dezimiert. Sie kritisieren, dass die offiziellen Jagdquoten überhöht sind und zudem nicht eingehalten werden. Die Münchner Artenschutzorganisation Pro Wildlife fordert deshalb, die Einfuhr von Grizzly-Trophäen nach Deutschland und in die EU zu verbieten. Ein entsprechender Entschluss würde wesentlich zum Erhalt der bedrohten Tiere beitragen.

12.802 Grizzlies gab die Provinzregierung von BC in den letzten 38 Jahren zum Abschuss frei - ein Aderlass, den die Bestände nach Expertenmeinung nicht verkraften können. Zusätzlich werden unzählige weitere Tiere von Wilderern erlegt oder fallen Unfällen und der zunehmenden Zerstörung ihres Lebensraumes zum Opfer. Betuchte Hobbyjäger, überwiegend aus den USA und Deutschland, bezahlen rund 10.000 US Dollar für eine "Pauschalreise" inklusive Erlegung der gefährdeten Tiere. Die Einfuhr der streng geschützten Art in die EU zu "kommerziellen Zwecken" ist verboten - für Trophäenjäger werden jedoch großzügige Ausnahmen gewährt.

Viele Wissenschaftler warnen seit langem vor dem Rückgang der Grizzlies und forderten gemeinsam mit über 100 Naturschutzorganisationen ein Verbot der Jagd, zumal zusätzlich Wilderei, Unfälle und Lebensraumzerstörung hohe Verluste verursachen. Einer aktuellen Analyse zufolge ist es möglich, dass der Grizzlybestand in BC innerhalb von 30 Jahren um mehr als 20 Prozent abnimmt. "Die kanadische Regierung behauptet, die Bejagung würde den Bärenbestand nicht beeinträchtigen. Doch von offizieller Seite in Auftrag gegebene Studien, die das Gegenteil behaupten, werden ignoriert oder sogar aus dem Verkehr gezogen", berichtet Daniela Freyer von Pro Wildlife. Sogar ein bereits verhängtes Jagdmoratorium wurde nach einem Regierungswechsel kurzerhand wieder aufgehoben - gemäß einem Wahlversprechen an die einflussreiche Jagdlobby.

"Es ist überdeutlich, dass die Bären in BC politischen Interessen geopfert werden", so die Pro Wildlife Expertin. "Bisher hat die Provinzregierung von BC jedes Jahr aufs Neue die exzessive Bejagung genehmigt, ohne überhaupt die Anzahl der dort lebenden Grizzlies zu kennen. Die Regierung behauptet, es gäbe in BC noch etwa 14.000 Braunbären und beruft sich hierbei auf äußerst spekulative Hochrechnungen. Experten hingegen gehen davon aus, dass die offiziellen Bestandsschätzungen sowie die Jagdquoten stark überhöht sind.

Deutsche Jagdgäste sind nach US-Amerikanern die aktivsten Bärentöter in Kanada. Doch die EU wird möglicherweise im Mai über ein Importverbot für Braunbär-Trophäen aus BC entscheiden. Bereits im November 2001 war eine EU-Expertengruppe zu dem Schluß gekommen, dass die Bärenjagd in BC nicht vertretbar ist und hatte ein Embargo für Trophäen verhängt. Allerdings hob sie dieses bereits wenige Monate später vorläufig auf - nachdem die kanadische Regierung zukünftige Untersuchungen angekündigt hatte, ohne jedoch genaue Daten vorzulegen.