Kontroverse um Uran als Waffe

Uran im Irak

Großbritanniens führende Forschungsinstitution, die Royal Society, setzt sich für die Entfernung von abgereichertem Uran im Irak ein, das von US- und britischen Streitkräften verwendet wurde. Damit widerspricht die Royal Society der Behauptung des Pentagons, die eine Entfernung für unnötig hält und bislang von der Unterstützung durch die Royal Society ausging. Die Stellungnahme der Forschungsstätte heizt die Kontroverse über den Einsatz von abgereichertem Uran als effektive Waffe für die Zerstörung von Bunkern und Panzern erneut an. Es gebe zahlreiche Indizien, dass abgereichertes Uran Krebs und schwere Krankheiten auslösen könne. Abgereichertes Uran galt in den USA bereits als effektivste neue Waffe des Militärs gegen den Irak während des Golfkriegs 1991. Mehr als die Hälfte der zerstörten Panzer im Irak wurden mit Uranmunition beschossen.

Viele Expertengruppen gehen heute davon aus, dass unerklärliche Krebsfälle - insbesondere bei Kindern - in der irakischen Bevölkerung seit dem Golfkrieg auf abgereichertes Uran zurückzuführen sind. Die USA setzten das schwach radioaktive Uran erneut im Balkan- und Afghanistan-Krieg ein.

Die US-Umweltschutzbehörde UNEP habe bereits Untersuchungen im Irak angeboten. Sobald es die Situation erlaube, sollten Studien über abgereichertes Uran (depleted uranium) durchgeführt werden. Vor allem gehe es um jene Gelände, die Ziel von DU-Waffen wurden.

Je schneller eine Studie starte, desto früher könnten Ängste abgelegt oder tatsächliche Risiken bestätigt werden. In letzterem Fall würden sofort Maßnahmen ergriffen werden. Noch bis Ende April wolle die UNEP eine Arbeitsstudie über die Umwelt im Irak veröffentlichen. Diese solel die nötigen Hintergrund-Informationen für die Feldforschung liefern.

Ziel der Forschung sei es, nicht nur das Risiko für das Grund- und Oberflächenwasser zu erheben, sondern auch die Gefahren für Trinkwasserquellen, das Abfallmanagement sowie Fabriken abzuklären. Weiters solle geklärt werden, in welcher Menge giftiges, aber nur schwach radioaktiv abgereichertes Uran das Grundwasser verseuchen kann und inwieweit ein Risiko besteht, dass DU-Staub zu einem späteren Zeitpunkt eingeatmet wird.

Unterstützung bekommt die Bahörde dabei von Doug Rokke, dem ehemaligen Leiter des "Depleted uranium Project" des Pentagons. "Das Militär eines Landes kann nicht vorsätzlich ein anderes Land kontaminieren, Mensch und Umwelt Schaden zufügen und dann einfach die Konsequenzen der Handlung ignorieren," zitiert der britische Guardian. Rokke fordert die USA und Großbritannien auf, "die unmoralischen Konsequenzen ihrer Handlung zu erkennen und sich für die medizinische Hilfe und die sorgfältige Sanierung der Umwelt verantwortlich zu zeigen." Laut Royal- Society-Forscher Brian Spratt könne der Boden rund um die Aufschlagstellen der Uran-Geschoße stark verseucht sein. "Auch zahlreiche korrodierende Geschoße im Boden können langfristig eine Bedrohung darstellen, nämlich dann, wenn sie in die Wasserversorgung gelangen", so Spratt. Auch er empfiehlt die Entsorgung der gefährlichen Geschoßteile und die rasche Identifizierung der kontaminierten Gebiete.