Atomkraftwerk Biblis A wegen schwerer Sicherheitsmängel vom Netz

Super-GAU droht

Der Block A des südhessischen Atomkraftwerks Biblis darf wegen Sicherheitsproblemen vorerst nicht wieder angefahren werden. Wie das Bundesumweltministerium am Freitag in Berlin mitteilte, sind Öffnungen von Notkühlpumpen dieses Blocks nur gut halb so groß wie vorgeschrieben (3 statt 5,9 Quadratmeter). Ob diese Ansaugflächen schon seit Betriebsbeginn vor 29 Jahren so klein sind oder durch spätere Einbauten verkleinert wurden, ist den Angaben zufolge unklar. Das Defizit kann nach Einschätzung des Umweltministeriums "von großer sicherheitstechnischer Bedeutung sein". Das Notkühlsystem muss im Falle einer Leckage die Kühlung des Reaktors gewährleisten. Sind die betroffenen Ansaugflächen verstopft, droht eine Kernschmelze und damit ein Super-GAU. Biblis A als ältestes deutsches Atomkraftwerk gilt als "Schrottreaktor" und fällt regelmäßig durch Sicherheitsmängel auf.

Das Bundesumweltministerium kündigte an, die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit sowie die Reaktor-Sicherheitskommission mit der weiteren Untersuchung zu beauftragen. Das hessische Umweltministerium habe bereits Untersuchungen aufgenommen und der Bundesaufsicht zugesagt, dass der Atommeiler nicht eher wieder ans Netz gehe, bis der Sachverhalt vollständig aufgeklärt und das Sicherheitsleck behoben sei.

Die hessische Aufsichtsbehörde hatte den Verstoß am Donnerstag an das Berliner Ministerium gemeldet. Das Wiesbadener Umweltministerium habe mitgeteilt, dass Biblis A wegen einer Reparatur und einer Messung im Notstandssystem für kurze Zeit still gestanden habe. Der Mangel wurde demnach beim Wiederanfahren des Reaktors festgestellt.

Biblis ist mit dem jetzt bekannt gewordenen Sicherheitsdefizit nicht das erste Mal in den Schlagzeilen. Neben einem schwerwiegenden Störfall im Dezember 1987, bei dem Radioaktivität freigesetzt wurde, kam es im Laufe der Jahre zu etlichen Pannen.

Der älteste Reaktor der Bundesrepublik gilt zugleich als der umstrittenste. Zwischen der früheren rot-grünen Landesregierung in Wiesbaden und der CDU-geführten Bundesregierung von Helmut Kohl gab es jahrelang Auseinandersetzungen um den Meiler, der nach Ansicht von Kritikern schrottreif ist. Nach dem von der rot-grünen Bundesregierung ausgehandelten Atomausstieg sollen die beiden Reaktorblöcke A und B bis 2009 und 2011 am Netz bleiben.